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Checklisten Sanierung Vermieter
Praxis Vermieter

Checklisten Sanierung Vermieter

Von der Erstbesichtigung bis zur Abnahme – nichts übersehen

Eine Sanierung steht und fällt mit der Vorbereitung. Wer ohne Checkliste zur Erstbesichtigung geht, übersieht die verzinkte Steigleitung hinter dem Putz. Wer kein Leistungsverzeichnis erstellt, vergleicht am Ende Angebote, die so unterschiedlich sind wie ein Neubau und eine Kernsanierung. Fünf praxiserprobte Checklisten und drei Vorlagen begleiten Sie durch den gesamten Sanierungsprozess.

Erfahrungsgemäß werden bei unsystematischen Begehungen 30 bis 40 % der sanierungsrelevanten Befunde übersehen. Nicht, weil die Befunde unsichtbar wären. Sondern weil der Blick nicht gelenkt wird. Eine strukturierte Checkliste lenkt den Blick. Sie zwingt dazu, jeden Raum einzeln zu betrachten, jedes Gewerk gedanklich durchzugehen und die Befunde sofort schriftlich festzuhalten.

Dieses Kapitel liefert das Werkzeug, das den gesamten Sanierungsprozess begleitet – von der ersten Begehung bis zur Schlüsselübergabe an den neuen Mieter. Fünf Checklisten decken die kritischen Phasen ab: Erstbesichtigung, Bestandsanalyse, Angebotsvergleich, Qualitätskontrolle während der Bauphase und Abnahme. Drei Vorlagen – Sanierungsbudget, Zeitplan und Dreiklang-Bewertungsbogen – übersetzen die Theorie in ausfüllbare Arbeitsdokumente.

Jede Checkliste und jede Vorlage ist ein Destillat aus der Praxis. Kein Prüfpunkt steht dort, weil er theoretisch sinnvoll klingt. Er steht dort, weil sein Fehlen in realen Projekten zu realen Problemen geführt hat – zu übersehenen Bleirohren, zu vergessenen Brandschutzmanschetten, zu Estrich, der unter dem neuen Vinyl Feuchtigkeit speicherte.

5 Checklisten für jede Phase: Besichtigung, Analyse, Vergleich, Kontrolle, Abnahme
3 Vorlagen: Sanierungsbudget, Zeitplan, Dreiklang-Bewertungsbogen
30–40 % der Befunde werden ohne Checkliste übersehen
Epochen-Übersicht

Typische Befunde nach Baujahr

Das Baujahr verrät bereits viel über die typischen Materialien, Schwachstellen und Pflichtmaßnahmen. Diese Tabelle fasst die Kernrisiken zusammen.

1

Vor 1960

Oberfläche: Stoffleitung Elektrik, Bleirohre möglich

Problem: Elektrik komplett erneuern, kein FI vorhanden

2

1960er

Oberfläche: Unterdimensionierte Elektrik, verzinkte Rohre

Problem: E-Check zwingend, Trinkwasser verkalkt, ASBEST in Böden!

3

1970er

Oberfläche: FI oft nur im Bad, Guss-Abwasser

Problem: ASBEST in Floor-Flex! PAK im Parkettkleber

4

1980er

Oberfläche: Meist normgerechte Elektrik, HT-Kunststoff

Problem: Abdichtung Bad vor DIN 18534 (2017) oft unzureichend

5

1990er und später

Oberfläche: Verbundrohr, moderne Elektrik

Problem: Nach 25–30 Jahren erste Alterungserscheinungen, Thermostate prüfen

Checkliste 1: Erstbesichtigung

Die Erstbesichtigung ist der Moment, in dem die Weichen gestellt werden. Was hier übersehen wird, taucht später als Nachtrag auf – mit höheren Kosten, verlängerter Bauzeit und dem unguten Gefühl, dass die Planung auf wackeligen Füßen stand.

Vorbereitung: Grundriss, Baujahr, letzte Sanierungsmaßnahmen, bekannte Mängel aus der Mieterhistorie und Energieausweis besorgen. Ausrüstung mitnehmen: Zollstock oder Laser-Entfernungsmesser, Smartphone, Feuchtemessgerät, Taschenlampe, Stift. Fotos systematisch benennen (Raum + Gewerk + Befund), Notizen direkt auf der Checkliste.

Die Prüfpunkte (20–25 Punkte):

A – Äußere Inspektion: Fassade (Risse, Feuchtespuren), Fenster von außen, Keller (Feuchtigkeit, Schimmel), Dachbereich, Hauseingang/Treppenhaus, Installationsschacht.

B – Raum-für-Raum-Begehung: Wände, Decken, Boden (Klopfprobe), Fenster, Türen, Steckdosen/Schalter, Heizkörper, Geruch.

C – Bad (Detailprüfung): Fliesen, Armaturen, WC, Wanne/Dusche, Belüftung, Wasserdruck.

D – Gebäudetechnik: FI-Schutzschalter, Leitungsmaterial (Kupfer/Stahl/Blei?), Zähleranlage, Heizungsanlage, Rauchmelder, Asbest-Verdacht.

Bewertungsskala: Grün (kein Handlungsbedarf), Gelb (beobachten oder prüfen lassen), Rot (Maßnahme erforderlich).

Checkliste 2: Bestandsanalyse

Die Erstbesichtigung liefert Eindrücke. Die Bestandsanalyse macht daraus eine belastbare Grundlage für die Sanierungsplanung. Bei der Besichtigung wird festgestellt, was da ist. Bei der Bestandsanalyse wird bewertet, was damit passieren muss.

Vierstufige Bewertungsskala: Gut (kein Handlungsbedarf in den nächsten zehn Jahren) – Mittel (Maßnahme in drei bis fünf Jahren) – Schlecht (Maßnahme bei nächster Gelegenheit) – Kritisch (sofortiger Handlungsbedarf, Sicherheitsrelevanz).

Die Gewerke-Prüfung (30–35 Punkte):

Rohinstallation (Sanitär): Trinkwasserleitungen Material, Bleirohre (Ritzprobe!), Wasserdruck, Warmwasserbereitung, Abflussleitungen, Korrosion, Strangzustand.

Elektroinstallation: FI-Schutzschalter, Leitungsquerschnitt (1,5/2,5 mm²), Anzahl Stromkreise (mindestens 6), Leitungsmaterial, Erdung, Steckdosendichte, E-Check.

Bad/Sanitärobjekte: Fliesen, Abdichtung erkennbar, Sanitärobjekte, Belüftung, Vorwandinstallation. Oberflächen: Wandbelag, Boden mit Schadstoffverdacht (Baujahr!), Estrich, Schimmelbefall. Türen/Fenster/Brandschutz: Innentüren, Wohnungseingangstür, Fenster (U-Wert), Rauchmelder, Brandschutzklappen. Heizung: Heizkörper, Heizungsanlage, Konstanttemperaturkessel >30 Jahre (GEG-Austauschpflicht), Rohrisolierung. Schadstoffe: Asbest (Baujahr vor 1993), PAK-haltiger Parkettkleber, KMF (alte Mineralwolle vor 1995).

Ein einziger Punkt in der Spalte Kritisch wiegt schwerer als zehn Punkte in Mittel. Ein sicherheitsrelevanter Befund – etwa Bleirohre oder fehlender FI-Schutzschalter – bestimmt den Mindestumfang der Sanierung.

Checkliste 3: Angebotsvergleich

Drei Angebote auf dem Tisch, drei verschiedene Gesamtsummen – und die Versuchung, einfach das günstigste zu nehmen. In der Praxis ist genau das die Ursache für einen Großteil der Budgetüberschreitungen.

Das Grundproblem: Das günstigste Angebot ist oft nicht das vollständigste. Es fehlen Positionen, die später als Nachtrag auftauchen: Entsorgungskosten, Baustelleneinrichtung, Trocknungszeiten, Brandschutzmaßnahmen, E-Check nach Fertigstellung.

Die Prüfpunkte (15–20 Punkte):

A – Formale Prüfung:

  • Angebot auf Basis des gleichen LV erstellt?
  • Alle Positionen beantwortet (keine Lücken)?
  • Preise als Einheitspreise ODER Pauschale?
  • Angebotsbindefrist angegeben?
  • Zahlungsbedingungen klar?

B – Vollständigkeit der Leistung:

  • Baustelleneinrichtung enthalten?
  • Demontage + Entsorgung enthalten?
  • Schadstoffsanierung enthalten (falls relevant)?
  • E-Check / Druckprobe / Dichtigkeitsprüfung?
  • Trocknungszeiten berücksichtigt?
  • Reinigung + Endreinigung?
  • Containergestellung und Abfuhr?
  • Baustrom / Bauwasser geregelt?

C – Nachtragsrisiko und Absicherung:

  • Festpreis oder Einheitspreise mit Mengenrisiko?
  • Preisgleitklausel enthalten?
  • Gewährleistungsdauer explizit genannt (BGB: 5 Jahre)?
  • Gewährleistungsbürgschaft angeboten?
  • Versicherungsnachweis des Ausführenden?

Kernregel: Fehlen im günstigsten Angebot drei oder vier Positionen, handelt es sich um ein unvollständiges Angebot, das durch Nachträge teurer wird als die Konkurrenz.

Checkliste 4: Qualitätskontrolle während der Bauphase

Die teuersten Fehler in der Sanierung sind die, die erst nach dem Verschließen der Wand oder dem Verlegen des Bodens entdeckt werden. Laut dem Bauschadenbericht des Bauherren-Schutzbundes entstehen 84,2 % aller Bauschäden durch fehlende oder mangelhafte Planung und Kontrolle.

Vier kritische Zeitpunkte:

Phase 1 – Nach Demontage:

  • Freigelegter Zustand wie erwartet?
  • Schadstoff-Befund (Asbest, PAK, KMF)?
  • Tragende Wände unversehrt?
  • Strangzustand im Schacht beurteilt?
  • Fotodokumentation erstellt?

Phase 2 – Nach Rohinstallation (VOR Verputzen):

  • Trinkwasser: Druckprobe durchgeführt? (Protokoll!)
  • Abwasser: Dichtheitsprüfung?
  • Elektro: Leitungsführung dokumentiert?
  • Elektro: Schutzleiter durchgängig?
  • Brandschutzmanschetten an Deckendurchführungen?
  • Ring-Installation (Sanitär) korrekt?
  • Fotodokumentation ALLER verdeckten Leitungen?

Phase 3 – Abdichtung (VOR Fliesenarbeiten):

  • Abdichtung flächig aufgetragen? (Keine Fehlstellen)
  • Mindestschichtdicke eingehalten?
  • Wandhochzug mind. 15 cm über Oberkante Duschfläche?
  • Rohrdurchführungen mit Manschetten abgedichtet?
  • Ecken mit Dichtband/Vlieseinlage?
  • Zwei Schichten erkennbar? (Verschiedene Farben)

Phase 4 – Vor Bodenbelag:

  • CM-Messung Estrich durchgeführt? (Protokoll!)
  • Grenzwert eingehalten? (Zement: ≤ 2,0 %; Anhydrit: ≤ 0,5 %)
  • Estrich rissfrei? Hohlstellen ausgeschlossen?
  • Untergrund sauber, staubfrei, grundiert?
  • Höhenübergänge zu Fliesen/Schwellen geprüft?

Checkliste 5: Abnahme

Die Abnahme ist ein Rechtsakt. Mit der Abnahme erklärt der Auftraggeber, dass die Leistung im Wesentlichen vertragsgemäß erbracht wurde. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Gewährleistungsfrist (BGB: fünf Jahre), die Beweislast kehrt sich um, und die Schlusszahlung wird fällig.

Die Prüfpunkte (25–30 Punkte):

A – Raumweise Prüfung (in jedem Raum):

  • Wände: Gleichmäßig, keine Dellen, Flecken, Risse
  • Decken: Gleichmäßig gestrichen, keine Tropfnasen
  • Boden: Eben, keine Hohlstellen, Übergänge sauber
  • Sockelleisten: Bündig, Gehrungen sauber
  • Fenster: Funktion (Dreh-Kipp), Dichtungen, Griff
  • Tür: Schließt, Schloss funktioniert, Zarge sauber
  • Steckdosen + Schalter: Alle funktional, gerade, fest
  • Heizkörper: Funktion, Thermostat, keine Luft
  • Sauberkeit: Baustaub entfernt, Schutzfolien ab

B – Bad (Detailprüfung):

  • Fliesen: Fugen gefüllt, keine Hohlstellen
  • Silikonfugen: Sauber gezogen, keine Lücken
  • WC, Waschtisch, Dusche/Wanne: Funktion, Dichtheit
  • Warmwasser: Kommt innerhalb von 10–15 Sekunden?
  • Belüftung: Fenster oder Lüfter funktional?

C – Gewerkübergreifend:

  • FI-Schutzschalter testet korrekt?
  • E-Check-Protokoll vom Elektriker erhalten?
  • Druckprobe-Protokoll vom Sanitär erhalten?
  • Rauchmelder in allen Räumen, Funktion getestet?
  • Schlüssel alle übergeben? Schließzylinder getauscht?
  • Zählerstände abgelesen und dokumentiert?
  • Baustelle vollständig geräumt?
  • Gewährleistungsdokumente erhalten?

D – Mängeldokumentation: Jeder Mangel mit Raum, Gewerk, Beschreibung, Foto-Nr. und Frist zur Beseitigung dokumentieren.

Wichtig: Die Abnahme bei Tageslicht durchführen. Kunstlicht kaschiert Unebenheiten an Wänden und Decken.

Vorlage 1: Sanierungsbudget

Ein Sanierungsbudget ist kein Kostenvoranschlag. Es ist ein Steuerungsinstrument. Es hält fest, was geplant wurde, was tatsächlich angefallen ist und wo die Abweichungen liegen. Bei durchschnittlich 29 Mängeln pro Bauprojekt und einem typischen Nachtragsvolumen von 10 bis 20 % verschiebt sich das Budget in der Praxis fast immer.

Die Gewerke-Positionen (Referenzwohnung 65 m², Paket 2):

| Gewerk | Anteil | |--------|--------| | Baustelleneinrichtung & Demontage | 5–8 % | | Schadstoffsanierung (falls erforderlich) | 0–8 % | | Elektroinstallation | 10–15 % | | Sanitär & Bad | 30–40 % | | Heizung & Heizkörper | 8–12 % | | Wände (Putz, Trockenbau) | 5–10 % | | Fliesen (außerhalb Bad) | 3–6 % | | Maler & Lackierung | 8–12 % | | Bodenbeläge | 8–12 % | | Türen & Zargen | 4–7 % |

Nebenkosten nicht vergessen:

  • Container + Entsorgung
  • Endreinigung (Baufeinreinigung)
  • E-Check (nach VDE 0100-600)
  • Baustrom / Bauwasser
  • Baugenehmigung (falls erforderlich)

Puffer von 10–15 % ist nicht optional. Er ist die Absicherung gegen die Überraschungen, die bei jeder Bestandssanierung auftreten. Hinter der Wand kommt ein Feuchteschaden zum Vorschein. Der Estrich zeigt Risse, die vor der Demontage unsichtbar waren.

Spaltenstruktur der Vorlage: Geplant – Tatsächlich – Differenz. Die Differenz macht Abweichungen sichtbar, die für die nächste Sanierung als Erfahrungswert dienen.

Vorlage 2: Zeitplan

Ein Zeitplan für eine Wohnungssanierung ist kein Kalender mit Wunschdaten. Er ist ein Ablaufplan, der physikalische und handwerkliche Zwänge abbildet. Estrich braucht Trocknungszeit – und diese Zeit ist nicht verhandelbar.

Standardablauf Paket 2 (65 m² Wohnung, 7–8 Wochen):

Woche 1: Baustelleneinrichtung, Demontage alter Sanitärobjekte, Fliesen, Böden. Prüfpunkt: Freigelegter Zustand beurteilen.

Woche 1–2: Schadstoffsanierung (falls erforderlich), Elektro und Sanitär Rohinstallation. Meilenstein: Druckprobe + Fotodokumentation verdeckter Leitungen.

Woche 3: Trockenbau, Vorwand, Putzarbeiten.

Woche 3–4: Trocknung Putz (mind. 1 Tag pro mm Schichtdicke). Abdichtung Bad. Meilenstein: Prüfung VOR Fliesenarbeiten.

Woche 4–5: Fliesenarbeiten Bad. Estrich / Ausgleich (falls nötig).

Woche 5–6: Trocknung Estrich (28 Tage bei Zementestrich – nicht verhandelbar!). CM-Messung dokumentieren.

Woche 6: Türen und Zargen setzen, Sanitär und Elektro Fertigmontage. Meilenstein: E-Check mit Protokoll.

Woche 7: Bodenbelag, Malerarbeiten, Heizkörper montieren.

Woche 8: Endreinigung, Abnahme mit Checkliste 5, Schlüsselübergabe.

Puffer: Zwei Wochen verteilt einkalkulieren – eine nach Rohinstallation, eine nach Estrichtrocknung.

Vorlage 3: Dreiklang-Bewertungsbogen

Die Dreiklanganalyse führt systematisch durch die drei Säulen – Budget, Mietlage, Bausubstanz – und mündet in eine Empfehlung für das Sanierungspaket.

Säule 1: Budget – Verfügbares Eigenkapital, Fremdfinanzierung (KfW, Bank, Bausparer), steuerliche Optimierung (Erhaltungsaufwand/AfA), Puffer von 15–20 %, Leerstandskosten während der Bauphase. Bewertung: Niedrig / Mittel / Hoch.

Säule 2: Mietlage – Aktuelle Kaltmiete (pro m²), Mietspiegel-Vergleichsmiete nach Sanierung, Nachfrage (Bewerbungen pro Inserat), typische Leerstandsdauer, Mietentwicklung (steigend/stabil/rückläufig), Modernisierungsumlage nach §559 BGB. Bewertung: Schwach / Mittel / Stark.

Säule 3: Bausubstanz – Bestandsanalyse (Checkliste 2) durchgeführt, Pflichtmaßnahmen identifiziert, Schadstoffverdacht (Asbest, Blei, PAK), E-Check, Rohinstallation-Zustand, Bad (Komplett oder Teilsanierung), Strang. Bewertung: Gut / Mittel / Schlecht.

Ergebnis-Matrix:

  • Niedrig/Schwach/Gut → Paket 1 minimal oder Verkauf prüfen
  • Mittel/Mittel/Mittel → Paket 2 (Sanierung) – Standardfall
  • Hoch/Stark/Schlecht → Paket 3–4 (Modernisierung bis Komplett)
  • Hoch/Schwach/Schlecht → Wirtschaftlichkeit fragwürdig

Der Gesamtprozess: Wie die Checklisten zusammenwirken

Die fünf Checklisten und drei Vorlagen bilden eine zusammenhängende Prozesskette. Jede Checkliste baut auf den Ergebnissen der vorhergehenden auf:

1. Erstbesichtigung (Checkliste 1) → Rohdaten erfassen 2. Bestandsanalyse (Checkliste 2) → Daten bewerten 3. Dreiklang-Bewertung (Vorlage 3) → Budget, Mietlage und Bausubstanz zusammenführen 4. Sanierungspaket bestimmen 5. Budget (Vorlage 1) → Finanziellen Rahmen festlegen 6. Zeitplan (Vorlage 2) → Ablauffolge planen 7. Angebotsvergleich (Checkliste 3) → Angebote prüfen 8. Qualitätskontrolle (Checkliste 4) → Bauphase begleiten 9. Abnahme (Checkliste 5) → Prozess abschließen

Wer den Prozess dokumentiert, verfügt über eine lückenlose Akte: Im Gewährleistungsfall belegt sie beauftragte und abgenommene Leistungen. Bei der Steuererklärung dokumentiert sie Erhaltungsaufwand vs. Herstellungsaufwand. Bei Mietstreitigkeiten zeigt sie den Zustand vor und nach Sanierung. Beim nächsten Mieterwechsel gibt sie Überblick über verbaute Materialien.

Versicherungsperspektive: Wohngebäudeversicherung über die Sanierung informieren. Bauherrenhaftpflicht ab Paket 2 dringend empfohlen. Bei Paket 3–4 zusätzlich Bauleistungsversicherung einplanen.

Checkliste

Abschluss-Checkliste: Habe ich alles?

Diese 14 Punkte fassen den gesamten Prozess zusammen – vom ersten Blick bis zum letzten Handschlag.

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Aus der Praxis

Praxis-Tipps

Checklisten ausdrucken und mitnehmen

Drucken Sie die Erstbesichtigungs-Checkliste aus und nehmen Sie sie zur Besichtigung mit. Digital geht natürlich auch – aber mit Stift und Papier sind Sie schneller. Markieren Sie direkt vor Ort: Grün (OK), Gelb (prüfen), Rot (Maßnahme nötig). Nach der Begehung: Fotos den Prüfpunkten zuordnen und digital archivieren. Der Zeitaufwand dafür beträgt 20 Minuten, spart aber Stunden in der Planungsphase.

Angebotsvergleich nur mit gleichem LV

Ein Angebotsvergleich ist nur sinnvoll, wenn alle Handwerker die gleiche Leistungsbeschreibung erhalten. Erstellen Sie ein einfaches Leistungsverzeichnis (was genau soll gemacht werden?) und versenden Sie es an alle drei Anbieter. Sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Fehlen im günstigsten Angebot Positionen, handelt es sich nicht um ein schlankes Angebot – es ist ein unvollständiges Angebot, das später teurer wird.

Fotodokumentation verdeckter Leitungen

Die Fotodokumentation verdeckter Leitungen ist keine Kür. Sie ist eine Investition, die sich beim ersten Folgeeingriff auszahlt. Wenn in fünf Jahren ein Nagel in die Wand soll und niemand weiß, wo die Leitungen liegen, wird aus einem Fünf-Minuten-Eingriff ein Schadensfall. Jedes Foto mit Datum, Raum und Gewerk beschriften – und dauerhaft archivieren.

Dreiklang-Bewertung VOR dem Handwerkergespräch

Den Dreiklang-Bewertungsbogen VOR dem ersten Handwerker-Gespräch ausfüllen. Er zwingt dazu, die drei Säulen zu durchdenken, bevor Details und Materialfragen die Aufmerksamkeit binden. Die Antworten auf die Mietlage-Fragen lassen sich oft innerhalb einer Stunde recherchieren – über den Mietspiegel der Gemeinde und eine kurze Recherche auf Immobilienportalen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

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Welche Checklisten brauche ich für eine Sanierung als Vermieter?

Fünf Checklisten decken den gesamten Prozess ab: 1) Erstbesichtigung (systematische Begehung), 2) Bestandsanalyse (Gewerk-für-Gewerk-Bewertung), 3) Angebotsvergleich (Angebote auf Vollständigkeit prüfen), 4) Qualitätskontrolle während der Bauphase, 5) Abnahme (Raum-für-Raum und Gewerk-für-Gewerk). Dazu kommen drei Vorlagen: Sanierungsbudget, Zeitplan und Dreiklang-Bewertungsbogen.
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Wie viel Puffer sollte ich bei einer Sanierung einplanen?

10–15 % der Gesamtsumme als Puffer. Bei Altbauten vor 1970 eher 15–20 %, da hier mehr unvorhergesehene Befunde zu erwarten sind. Der Puffer ist keine Vorsichtsmaßnahme – er ist die Absicherung gegen die Überraschungen, die bei jeder Bestandssanierung auftreten: Feuchteschäden hinter der Wand, Risse im Estrich, marode Stränge.
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Was ist die wichtigste Prüfung bei der Abnahme?

Die Abnahme kombiniert zwei Perspektiven: raumweise (funktioniert alles im Raum?) und gewerkweise (hat jedes Gewerk seine Leistung vollständig erbracht?). Kritisch sind Schnittstellenmängel – etwa unsaubere Silikonfugen zwischen Fliese und Duschtasse. Wichtig: Abnahme bei Tageslicht durchführen, Mängel sofort mit Kreppband markieren und fotografieren.
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Wann muss ich während der Bauphase prüfen?

Vier kritische Zeitpunkte: 1) Nach der Demontage (freigelegter Zustand wie erwartet?), 2) Nach der Rohinstallation VOR dem Verputzen (Druckprobe, Fotodokumentation), 3) Nach der Abdichtung im Bad VOR den Fliesen, 4) Vor dem Bodenbelag (CM-Feuchtemessung Estrich). Was nach dem Verschließen entdeckt wird, wird teuer.
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Was bedeutet die Dreiklang-Bewertung?

Die Dreiklanganalyse führt Budget (was kann ich ausgeben?), Mietlage (was refinanziert der Markt?) und Bausubstanz (was muss ich technisch tun?) zusammen. Das Ergebnis ist eine Empfehlung für das passende Sanierungspaket – von Paket 1 (Renovierung) bis Paket 4 (Komplettsanierung). Der Dreiklang-Bewertungsbogen macht die Entscheidung nachvollziehbar.
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Wie lange dauert eine typische Wohnungssanierung?

Eine Paket-2-Sanierung (65 m²) dauert typischerweise 7–8 Wochen – inklusive Trocknungszeiten. Die größten Zeitfresser sind physikalisch bedingt: Putz braucht ca. 1 Tag pro mm Schichtdicke, Zementestrich 28 Tage bei 20 °C. Diese Zeiten sind nicht verhandelbar. Kalkulieren Sie zusätzlich zwei Wochen Puffer ein.
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Woran erkenne ich, ob ein Angebot vollständig ist?

Prüfen Sie auf diese Positionen: Baustelleneinrichtung, Demontage + Entsorgung, Schadstoffsanierung (falls relevant), E-Check/Druckprobe, Trocknungszeiten, Reinigung, Container, Baustrom/Bauwasser. Fehlen im günstigsten Angebot drei oder vier dieser Positionen, handelt es sich um ein unvollständiges Angebot, das durch Nachträge teurer wird.

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Normen & Quellen

  • VOB/B §12: Abnahme – Rechtsfolgen, Gewährleistungsbeginn
  • BGB §§ 633–638: Werkvertragsrecht – Mängelhaftung, Gewährleistung
  • BGB §§ 640, 641: Abnahme und Fälligkeit der Vergütung
  • DIN 18534: Abdichtung von Innenräumen – Badabdichtung
  • DIN 18560: Estriche im Bauwesen – CM-Feuchtemessung
  • VDE 0100-600: Prüfung von Niederspannungsanlagen (E-Check)
  • TRGS 519: Asbest – Abbruch, Sanierung, Instandhaltung
  • HOAI: Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (Referenz LV-Erstellung)
  • BSB Bauschadenbericht: Durchschnittlich 29 Mängel pro Bauprojekt

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