Die Fälle sind bewusst nach aufsteigendem Umfang geordnet – von der überschaubaren Renovierung einer 45-m²-Wohnung bis zur Komplettsanierung eines sechsstöckigen Mehrfamilienhauses. Jede Fallstudie folgt demselben Schema: Ausgangslage, Dreiklanganalyse, durchgeführte Maßnahmen, Kostenstruktur, Ergebnis und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Dieser einheitliche Aufbau macht die Fälle vergleichbar und erlaubt es, die eigene Situation einzuordnen.
Die Region aller vier Fallstudien ist das östliche Ruhrgebiet – ein Mietmarkt mit typisch mittlerer Nachfrage, einem Mietspiegelniveau zwischen 7 und 12 €/m² und einem Gebäudebestand, der stark von den Baujahren 1950 bis 1975 geprägt ist.
Dekaden-Problematik in den Fallstudien
Jede Fallstudie zeigt typische Probleme des jeweiligen Baujahrzehnts – diese Übersicht hilft bei der Einordnung des eigenen Objekts.
| Baujahr | Typische Oberfläche | Typisches Problem |
|---|---|---|
| 1950er | Fallstudie 3: 80-m²-Kernsanierung | Bleirohre, Holzbalkendecke, kein Bad-Standard, 2-Leiter-Elektrik |
| 1960er | Fallstudie 2: 65-m²-Sanierung + Fallstudie 4: MFH | Asbest-Boden, Elektrik 2-Leiter, Heizungsnischen, Gasetagenthermen |
| 1970er | Fallstudie 1: 45-m²-Renovierung | Nikotinwände, alte Beschläge, abgewohnte Böden |
1950er
Oberfläche: Fallstudie 3: 80-m²-Kernsanierung
Problem: Bleirohre, Holzbalkendecke, kein Bad-Standard, 2-Leiter-Elektrik
1960er
Oberfläche: Fallstudie 2: 65-m²-Sanierung + Fallstudie 4: MFH
Problem: Asbest-Boden, Elektrik 2-Leiter, Heizungsnischen, Gasetagenthermen
1970er
Oberfläche: Fallstudie 1: 45-m²-Renovierung
Problem: Nikotinwände, alte Beschläge, abgewohnte Böden
Sanierungstiefe anhand der Dreiklanganalyse bestimmen
Die Dreiklanganalyse (Budget, Mietlage, Bausubstanz) zeigt, welches Sanierungspaket für Ihr Objekt sinnvoll ist.
Bausubstanz intakt (Elektrik + Bad in Ordnung)?
→ Paket 1: Oberflächenrenovierung (Maler, Böden, Türaufarbeitung)
Weiter prüfen: Welche Gewerke sind kritisch?
1–2 Gewerke kritisch (z.B. nur Elektrik ODER nur Bad)?
→ Paket 2: Standard-Sanierung (kritische Gewerke + Oberflächen)
Weiter prüfen: Mehrere kritische Gewerke?
3+ Gewerke kritisch (Elektrik + Bad + Wasserleitungen + …)?
→ Paket 3: Kernsanierung (Entkernung + Neuaufbau)
Einzelmaßnahme prüfen
Mehrfamilienhaus mit mehreren Einheiten?
→ Paket 4: MFH-Komplettsanierung gestaffelt über 2–3 Jahre – Skaleneffekte nutzen
Einzelwohnung: Paket 1–3 nach Substanz wählen
Wie die Fallstudien aufgebaut sind
Station 1: Ausgangslage Baujahr, Wohnfläche, Grundriss, bisherige Miete, Zustand der Substanz, Dauer und Grund des Leerstands. Das Objekt wird so beschrieben, wie es ein Gutachter bei der Erstbegehung vorfinden würde.
Station 2: Dreiklanganalyse Budget, Mietlage und Bausubstanz werden auf das konkrete Objekt angewendet. Aus der Kombination ergibt sich das empfohlene Sanierungspaket.
Station 3: Maßnahmen Welche Gewerke wurden beauftragt? In welchem Umfang? Was wurde bewusst weggelassen?
Station 4: Kostenstruktur Aufschlüsselung nach Gewerken, prozentual und als Quadratmeter-Kennwert. Nachvollziehbare Positionen statt Pauschalen.
Station 5: Ergebnis Neue Miete, Vermietungsdauer, Marktresonanz.
Station 6: Wirtschaftlichkeitsbetrachtung Der ROI wird dreifach berechnet: nur über die Mietdifferenz, unter Einbeziehung der Leerstandsvermeidung und unter Berücksichtigung steuerlicher Effekte.
Fallstudie 1: Renovierung 45 m², Baujahr 1972
Eine Zweizimmerwohnung im zweiten Obergeschoss, Baujahr 1972. Der bisherige Mieter hatte die Wohnung elf Jahre lang bewohnt. Der Vormieter war Raucher – Nikotinablagerungen in allen Oberflächen. Die Bodenbeläge (Nadelfilz, PVC) waren verschlissen. Die Elektrik war 2005 auf den damaligen Stand gebracht worden, das Bad 2010 erneuert.
Leerstand: 2 Monate.
Dreiklanganalyse
- Budget: Niedrig
- Mietlage: Mittel
- Bausubstanz: Gut (nur oberflächliche Defizite)
- Ergebnis: Paket 1 – Renovierung
Maßnahmen
- Maler komplett mit Nikotinsperre (Spezialisoliergrund auf Schellack-Basis)
- Bodenbeläge: Klick-Vinyl in Eichenoptik
- Türen aufarbeiten: Zargen lackieren, neue Beschläge
- Küche: Arbeitsfläche erneuern
Bauzeit: 2,5 Wochen
Die Überraschung: Unter dem PVC im Flur lag eine zweite PVC-Schicht mit hartnäckigem Kleber. Der eingeplante Puffer deckte die Mehrkosten ab.
Ergebnis
- Mieterhöhung nach Sanierung realisiert
- Vermietung nach 3 Wochen
Fallstudie 2: Standard-Sanierung 65 m², Baujahr 1963
Dreizimmerwohnung im ersten Obergeschoss, Ziegelbau mit Betondecken, Baujahr 1963. Letzte Renovierung: 1985. Leerstand seit 6 Monaten – mehrere Interessenten hatten bei Besichtigungen abgesagt.
Die Probleme: Zwei-Leiter-Elektrik (ohne Schutzleiter), Bad im Originalzustand von 1963, Flex-Platten als Bodenbelag (Asbest-Verdacht). Zwei Heizungsnischen waren nie fachgerecht geschlossen worden.
Dreiklanganalyse
- Budget: Mittel
- Mietlage: Mittel bis aufwärts
- Bausubstanz: Schlecht (mehrere kritische Gewerke)
- Ergebnis: Paket 2 – Standard-Sanierung
Maßnahmen
- Asbest-Sanierung Böden (Nassverfahren, TRGS 519)
- Elektrik komplett Stufe 1 (6 Stromkreise, FI-Schutzschalter)
- Bad komplett 5 m² (Duschtasse, Vorwand, Abdichtung DIN 18534)
- Heizungsnischen schließen (Kalziumsilikatplatten)
- Wände spachteln Q2 + Maler
- Böden (Klick-Vinyl)
- Türen komplett (CPL + neue Zargen)
Bauzeit: 6 Wochen
Die Überraschung: Die Elektrik war noch dramatischer als gedacht – brüchige Isolierungen, Klemmenverbindungen mit Isolierband gesichert. Die geplante Stufe 1 war angemessen.
Ergebnis
- Deutliche Mieterhöhung nach Sanierung realisiert
- Vermietung nach 2 Wochen (7 Bewerbungen in der ersten Woche)
Fallstudie 3: Kernsanierung 80 m², Baujahr 1953
Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss eines Altbaus, Baujahr 1953. Nachkriegsbau mit Ziegelmauerwerk und Holzbalkendecke.
Der Zustand: Bleirohre als Trinkwasserinstallation. Elektrik im Originalzustand (Zwei-Leiter-System, textile Leitungsisolierung, Schmelzsicherungen). Bad winzig (4 m²), ohne Fenster und Lüftung. Holzbalkendecke knarrend, stellenweise weiche Bretter.
Leerstand: 10 Monate.
Dreiklanganalyse
- Budget: Hoch (anteilig KfW-finanziert)
- Mietlage: Stark (innenstadtnahes Altbauviertel)
- Bausubstanz: Schlecht (drei kritische Gewerke plus Holzbalkendecke)
- Ergebnis: Paket 3 – Kernsanierung
Maßnahmen
- Komplett-Entkernung
- Bleirohre tauschen (gesamter Strang, WEG-Beschluss)
- Elektrik komplett neu (7 Stromkreise, neuer Zählerschrank)
- Bad komplett 7 m² (Badewanne + separate Dusche, Lüftung)
- Holzbalkendecke: Schwingbügel + OSB + Klick-Vinyl
- Heizung: Neue Flachheizkörper, hydraulischer Abgleich
- Wände: Teilweise Trockenbau, komplett Q2
- Türen komplett neu (inkl. Sicherheitstür Eingang)
Bauzeit: 8 Wochen
Die Überraschung: Unter der Dielung fand sich eine Schlackeschüttung aus den 1950ern – typisch als Schall- und Wärmedämmung, aber potenziell schwermetallbelastet. Laboranalyse: leicht erhöhte Werte, aber unterhalb der Grenzwerte. Entsorgung als Bauschutt möglich.
Ergebnis
- Erhebliche Mieterhöhung nach Kernsanierung realisiert
- Vermietung nach 1 Woche (Mundpropaganda im Haus)
Fallstudie 4: MFH-Komplettsanierung 6 WE, Baujahr 1965
Sechsgeschossiges Mehrfamilienhaus mit 6 Wohneinheiten (je 55–70 m², gesamt ~370 m²), Baujahr 1965. Sechs Gasetagenthermen (25–30 Jahre alt), dunkles Treppenhaus, defekte Briefkastenanlage, fehlender Brandschutz.
2 WE leer (8 bzw. 14 Monate), 4 WE vermietet mit niedrigen Mieten. Das Objekt befand sich in einer Abwärtsspirale.
Dreiklanganalyse
- Budget: Hoch, gestaffelt über 3 Jahre
- Mietlage: Mittel bis stark
- Bausubstanz: Schlecht, aber mit Substanz (Mauerwerk intakt, Fenster 2010 erneuert)
- Ergebnis: Paket 4 – MFH-Komplettsanierung, gestaffelt
Strategie: Gestaffelte Umsetzung über 3 Jahre
Phase 1 (Jahr 1):
- Heizungszentralisierung (6 Thermen → zentrale Brennwerttherme)
- 2 Stränge erneuern
- Brandschutz: T30-RS-Türen, Manschetten, Rauchmelder
- Treppenhaus komplett
- 2 leere WE: Komplettsanierung (Paket 3)
Phase 2 (Jahr 2):
- 1 WE saniert nach Mieterwechsel (Paket 2)
- 1 WE renoviert bei bewohntem Mietverhältnis (reduziert)
Phase 3 (Jahr 3):
- Restliche 2 WE bei künftigem Mieterwechsel
Bauzeit Phase 1: 4 Monate
Die Überraschungen:
- Strang im Keller undicht → Kellermauerwerk trockenlegen
- T30-RS-Türen passten nicht in Altbau-Zargen → Sondermaß
- Auszugsbedingt frei werdende WE in schlechterem Zustand als erwartet
Ergebnis nach 3 Jahren
- Deutliche Mieterhöhung über alle Einheiten realisiert
- Kein Leerstand mehr (Warteliste!)
- Erhebliche Wertsteigerung des Gesamtobjekts
Konkrete Preise für Ihr Projekt
Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Fallstudien
Alle vier Fallstudien bestätigen: Leerstandskosten summieren sich schnell auf einen erheblichen monatlichen Betrag – zusammengesetzt aus entgangener Kaltmiete, Hausgeld, anteiliger Grundsteuer und Instandhaltungsrücklage. Eine Wohnung, die drei Jahre leer steht, hat enormen Schaden angerichtet – dafür hätte eine komplette Sanierung finanziert werden können.
2. Puffer ist Pflicht
In JEDER Fallstudie trat eine Überraschung auf: doppelter PVC-Belag, marode Elektrik-Isolierung, belastete Deckenschüttung, undichter Strang. Die Frage ist nicht, OB eine Überraschung kommt, sondern WELCHE.
Ein Puffer von 10–15 % auf die kalkulierten Kosten ist kein konservativer Planungsansatz – er ist die Mindestanforderung.
3. Die Dreiklanganalyse funktioniert
Vier Wohnungen, vier Baujahre, vier Budgets, vier Mietlagen – und jedes Mal lieferte die Analyse eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Kein Projekt wäre besser gelaufen, wenn man nur auf den Preis geschaut hätte.
4. Mieterbindung als Bonus
Die sanierten Wohnungen hatten nach drei Jahren keine Fluktuation. Die Mieter waren zufrieden, keine Mängelrügen, keine Mietminderungen. Jeder vermiedene Mieterwechsel spart erfahrungsgemäß ein bis zwei Monatsmieten.
5. Professionelle Bauleitung zahlt sich aus
Laut BSB-Bauschadenbericht entstehen 84 % aller Bauschäden durch fehlende oder mangelhafte Planung. Durchschnittlich 29 Mängel pro Bauprojekt. Die Frage ist nicht, ob Koordination ihren Preis wert ist – sondern was die Alternative kostet.
Checkliste: Fallstudien auf das eigene Objekt übertragen
Diese 15 Punkte helfen Ihnen, die passende Sanierungsstrategie für Ihr Objekt zu finden.
Praxis-Tipps
Puffer ist Pflicht, nicht Kür
In jeder der vier Fallstudien trat eine Überraschung auf: doppelter PVC-Belag, marode Elektrik-Isolierung, belastete Deckenschüttung, undichter Strang. Die Frage ist nicht, OB eine Überraschung kommt, sondern WELCHE. Ein Puffer von 10–15 % auf die kalkulierten Kosten ist kein konservativer Planungsansatz – er ist die Mindestanforderung für eine realistische Kalkulation. Wer ohne Puffer kalkuliert, spart an der falschen Stelle.
Leerstand ist teurer als Sanierung
Leerstandskosten summieren sich schnell: entgangene Kaltmiete, fortlaufendes Hausgeld, anteilige Grundsteuer und Instandhaltungsrücklage laufen weiter – ob jemand wohnt oder nicht. Eine Wohnung, die drei Jahre lang leer steht, hat einen erheblichen Betrag verschlungen – genug für eine komplette Sanierung inklusive neuer Elektrik und neuem Bad. Der Aufschub einer Sanierung ist in den meisten Fällen die teuerste aller Optionen.
MFH gestaffelt sanieren
Bei Mehrfamilienhäusern mit bewohnten Einheiten ist eine gestaffelte Sanierung über 2–3 Jahre realistischer als ein Komplettumbau. Die Mieteinnahmen aus den noch bewohnten Einheiten tragen zur Finanzierung der leeren bei. Zudem bleiben die Belastungen für Bestandsmieter überschaubar. Die Alternative – das gesamte Investitionsvolumen auf einmal aufzubringen und monatelang auf alle Mieteinnahmen zu verzichten – ist für die meisten privaten Bestandshalter nicht darstellbar.
Schadstoffuntersuchung vor Sanierungsbeginn
Bei Gebäuden vor 1990 muss mit Materialien gerechnet werden, die nach heutigen Maßstäben kritisch sind: Asbest, Blei, Teerpappe, belastete Schlacke, PCB-haltige Fugenmassen, PAK-haltige Parkettkleber. Eine Schadstoffuntersuchung vor Sanierungsbeginn ist keine Vorsichtsmaßnahme. Sie ist die Grundlage jeder seriösen Kalkulation. Die Probe kostet wenige hundert Euro – die unsachgemäße Entfernung kostet ein Vielfaches.
Häufige Fragen
? Wie lange dauert die Sanierung einer Mietwohnung?
Wie lange dauert die Sanierung einer Mietwohnung?
? Wann rechnet sich eine Sanierung für Vermieter?
Wann rechnet sich eine Sanierung für Vermieter?
? Welche Überraschungen treten bei Altbausanierungen typischerweise auf?
Welche Überraschungen treten bei Altbausanierungen typischerweise auf?
? Was ist die Dreiklanganalyse bei der Sanierung?
Was ist die Dreiklanganalyse bei der Sanierung?
? Welche Steuervorteile gibt es bei der Wohnungssanierung?
Welche Steuervorteile gibt es bei der Wohnungssanierung?
? Wie finde ich die passende Fallstudie für mein Objekt?
Wie finde ich die passende Fallstudie für mein Objekt?
Sanierungsstrategie für Ihr Objekt entwickeln
Sie besitzen eine Mietwohnung oder ein MFH, das saniert werden muss? neurealis analysiert Ihre Ausgangslage, führt die Dreiklanganalyse durch und entwickelt eine realistische Sanierungsstrategie mit Kostenprognose und ROI-Berechnung. Festpreisgarantie und koordinierte Umsetzung aus einer Hand.
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Normen & Quellen
- BSB-Bauschadenbericht 2025: 84,2 % aller Bauschäden durch Planungsmängel, durchschnittlich 29 Mängel pro Projekt
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV) § 6: Blei-Grenzwert 10 µg/l seit 01.12.2013
- TRGS 519: Asbest – Abbruch, Sanierung, Instandhaltung
- DIN 18534: Abdichtung von Innenräumen – Nassraum-Abdichtung
- DIN 18202: Toleranzen im Hochbau – Ebenheitstoleranzen
- § 559 BGB: Modernisierungsmieterhöhung (max. 8 % der Modernisierungskosten p.a.)
- § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG: 15-%-Grenze für anschaffungsnahe Herstellungskosten
- VVG § 23 ff.: Anzeigepflicht bei Gefahrerhöhung gegenüber Gebäudeversicherung
- GEG (Gebäudeenergiegesetz): Hydraulischer Abgleich bei Heizungsmaßnahmen