In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Untergründe Sie in Altbauwohnungen typischerweise vorfinden, wie Sie Tapeten richtig entfernen oder überstreichen, warum Nikotinsperre bei jedem dritten Altbau Pflicht ist und was das Mietrecht bei Schönheitsreparaturen vorschreibt.
Wandoberflächen nach Baujahr
Je nach Baujahr Ihrer Wohnung finden Sie unterschiedliche Oberflächen vor. Diese Übersicht zeigt typische Zustände und Probleme.
| Baujahr | Typische Oberfläche | Typisches Problem |
|---|---|---|
| Vor 1960 | Kalkfarbe, Leimfarbe, Tapete | Leimfarbe blättert, ist nicht übermalbar – muss komplett entfernt werden |
| 1960er | Raufaser, Tapete, Dispersionsfarbe | Mehrere Tapetenschichten (oft 3–5 Lagen übereinander) |
| 1970er | Raufaser, Strukturtapete, bunte Farben | Nikotin! Bunte Anstriche (Orange, Braun, Grün) |
| 1980er | Raufaser, Vliestapete | Meist gut überarbeitbar, vereinzelt Nikotinbelastung |
| 1990er und später | Dispersionsanstrich, Vliestapete | Oft nur 1–2 Schichten, einfach zu erneuern |
Vor 1960
Oberfläche: Kalkfarbe, Leimfarbe, Tapete
Problem: Leimfarbe blättert, ist nicht übermalbar – muss komplett entfernt werden
1960er
Oberfläche: Raufaser, Tapete, Dispersionsfarbe
Problem: Mehrere Tapetenschichten (oft 3–5 Lagen übereinander)
1970er
Oberfläche: Raufaser, Strukturtapete, bunte Farben
Problem: Nikotin! Bunte Anstriche (Orange, Braun, Grün)
1980er
Oberfläche: Raufaser, Vliestapete
Problem: Meist gut überarbeitbar, vereinzelt Nikotinbelastung
1990er und später
Oberfläche: Dispersionsanstrich, Vliestapete
Problem: Oft nur 1–2 Schichten, einfach zu erneuern
Wandbehandlung: Was tun mit dem Untergrund?
Diese Entscheidungshilfe führt Sie zum richtigen Vorgehen – abhängig vom Zustand Ihrer Wände.
Mehrere Tapetenschichten (mehr als 2)?
Alle Tapeten entfernen, Untergrund spachteln (Q2), neu tapezieren oder streichen
Weiter prüfen
Eine Tapete, fest verklebt und intakt?
Prüfen: Nikotinbelastet? → Ja: Sperrgrund + Überstreichen. Nein: Direkt überstreichen (2 Anstriche)
Weiter prüfen
Dispersionsanstrich ohne Tapete?
Klebeband-Test: Tragfähig? → Überstreichen. Kreidend oder blätternd? → Abwaschen, grundieren, neu streichen
Weiter prüfen
Leimfarbe (vor 1960)?
Immer entfernen! Leimfarbe ist nicht übermalbar und nicht tapezierbar
Weiter prüfen
Blanker Putz oder Spachtelung (nach Vorarbeiten)?
Option A: Grundierung + Raufaser + 2× Dispersion (Q2-Standard). Option B: Grundierung + 2× Dispersion glatt (Q3-Standard)
Sonderfall – Fachmann hinzuziehen
Tapeten: Entfernen oder Überstreichen?
Entfernen ist Pflicht bei: mehr als zwei Tapetenschichten übereinander, Ablösungen oder Blasen, Schimmelverdacht dahinter, stark nikotinbelasteten Oberflächen.
Überstreichen reicht bei: einer Tapetenlage fest verklebt ohne Blasen, sauberem Untergrund ohne Nikotinflecken, Raufaser in gutem Zustand.
Ablöse-Techniken: Dampf-Tapetenlöser (am effektivsten bei mehreren Schichten, mietbar), Sprühflasche mit Wasser und Spülmittel (günstiger, aber zeitaufwändiger), mechanisch mit Spachtel (nur bei bereits losen Stellen).
Neue Farbe auf mangelhafter Tapete blättert innerhalb weniger Monate.
Nikotinsperre: Warum sie in jedem dritten Altbau Pflicht ist
So testen Sie auf Nikotinbefall: Weißen Lappen über die Wand reiben. Gelbliche Verfärbung? Sperrgrund ist Pflicht.
Sperrgrund (Isoliergrund) richtig anwenden:
- Lösemittelbasierte Sperrgründe sind wirksamer als wasserbasierte
- Komplette Fläche behandeln, nicht nur sichtbare Flecken
- Trockenzeit beachten: mind. 24 Stunden vor dem Überstreichen
Vermieter-Hinweis: Nikotinbefall ist keine Seltenheit – in etwa 30 % der Altbauwohnungen finden wir entsprechende Ablagerungen. Ohne Sperrgrund ist die neue Farbe innerhalb eines Jahres ruiniert.
Acryl vs. Silikon: Die richtige Fuge am richtigen Ort
Acryl (für den Malerbereich): Übermalbar nach Trocknung, ideal für Anschlussfugen (Wand zu Decke, Zargen zu Wand). Nicht dauerhaft elastisch und nicht für Nassbereiche geeignet.
Silikon (für Sanitär- und Außenbereiche): Dauerhaft elastisch, wasserabweisend. Für Sanitärfugen (Bad, Küche) und Fensteranschlüsse außen. Nicht übermalbar – Farbe perlt ab.
| Fehler | Folge | |--------|-------| | Silikon im Malerbereich | Fuge nicht übermalbar, unschöne Optik | | Acryl im Nassbereich | Schimmelbildung nach wenigen Monaten | | Fuge vergessen | Risse und Spalten an Übergängen |
Saubere Fugen machen den Profi-Unterschied.
Anstrich-Systeme: Welche Farbe für welchen Bereich?
Dispersionsfarbe (Standard): Wohnräume, Flur, Schlafzimmer – alle normalen Wände und Decken. Weiß ist Standard für Mietwohnungen. 2 Anstriche erforderlich. Deckkraft Klasse 1–2, Nassabrieb Klasse 2–3 nach DIN EN 13300.
Latexfarbe (Elefantenhaut): Für Küche, stark beanspruchte Bereiche und Treppenhäuser. Abwaschbar und strapazierfähig, aber teurer und mit glänzenderer Oberfläche.
Silikatfarbe: Für mineralische Untergründe (Kalkputz) und Altbauten mit Feuchtigkeitsproblemen. Diffusionsoffen und schimmelresistent – aber nur auf mineralischen Untergründen anwendbar.
Qualitätsmerkmale nach DIN EN 13300: Deckkraft Klasse 1 (beste) bis 4 (ausreichend). Nassabriebbeständigkeit Klasse 1 (scheuerbeständig) bis 5 (nicht waschbar).
Vermieter-Empfehlung: Dispersionsfarbe Klasse 1/2 in Weiß. Keine Farbexperimente – weiße Wände vermieten sich am schnellsten.
Lackierarbeiten: Zargen, Fenster, Heizkörper
Acryllack (wasserbasiert): Geruchsarm, schnell trocknend, seidenmatt bis glänzend. Standard für Innenräume. Etwas geringere Härte als Alkydharzlack.
Alkydharzlack (lösemittelbasiert): Robuster, höhere Endhärte. Stärkerer Geruch und längere Trockenzeit. Bei stark beanspruchten Flächen (Türblätter, Zargen) oft bevorzugt.
Auf alten Lackschichten (insbesondere vor 1980 Ölfarbe) ist das Anlegen schwierig. Optionen: 1. Anschleifen – bei intaktem Altlack, gleiches Lacksystem verwenden. 2. Abbeizen – bei schadhaftem Altlack oder Systemwechsel (Öl → Acryl).
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Raufaser: Warum sie der Vermieter-Standard ist
Vorteile für Vermieter: Kleine Beschädigungen lassen sich mit Raufaser-Flicken und Farbe unsichtbar ausbessern. Mehrfach ohne Tapetenwechsel streichbar (3–4 Anstriche realistisch). Bei Auszug genügt oft ein neuer Anstrich statt kompletter Neutapezierung. Spachtelqualität Q2 reicht aus – Q3 für glatte Wände ist aufwändiger.
Nachteil: Weniger 'modern' als glatte Wände oder Vliestapete. Bei hochwertigen Wohnungen ggf. nicht passend.
Raufaser-Qualitäten: Fein (wenig Struktur, eleganter), Mittel (Standard für Mietwohnungen), Grob (kaschiert auch stärkere Unebenheiten).
Für Mietwohnungen im mittleren Segment ist Raufaser die wirtschaftlich sinnvollste Lösung.
Checkliste: Malerarbeiten professionell planen
Diese 12 Punkte sollten Sie vor und während der Malerarbeiten abarbeiten.
Praxis-Tipps
Nikotinsperre nicht vergessen
In etwa 30 % der Altbauwohnungen finden Sie Nikotinablagerungen – auch wenn der letzte Raucher schon vor Jahren ausgezogen ist. Test: Weißen Lappen über die Wand reiben. Gelblich? Sperrgrund ist Pflicht. Ohne Sperre bluten die Nikotinflecken innerhalb von Wochen durch die neue Farbe.
Acryl-Fugen machen den Profi-Unterschied
Saubere Acryl-Fugen an den Übergängen (Wand zu Decke, Wand zu Sockelleiste) sind das Detail, das eine professionelle Sanierung von einer Hobby-Renovierung unterscheidet. Zeitaufwand: 30 Minuten pro Raum. Wirkung: enorm.
Reihenfolge beachten – Maler zuletzt!
Malerarbeiten sind immer das vorletzte Gewerk (vor der Endreinigung). Wer zu früh streicht, muss nacharbeiten. Schmutz von Fliesenleger, Bodenleger oder Montagearbeiten ruiniert frische Anstriche. Planen Sie den Maler erst ein, wenn alle anderen Gewerke fertig sind.
Zwei Anstriche sind Pflicht
Ein einzelner Anstrich deckt nie gleichmäßig – auch nicht bei hochwertiger Farbe mit Deckkraft Klasse 1. Wer beim zweiten Anstrich spart, erhält ein fleckiges Ergebnis. Das Ergebnis ist um Welten besser.
Häufige Fragen
? Muss ich vor dem Streichen grundieren?
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? Wie erkenne ich Leimfarbe?
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? Raufaser oder glatte Wände – was ist besser für Vermieter?
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? Kann ich Tapete einfach überstreichen?
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? Wie lange dauern Malerarbeiten in einer 65-m²-Wohnung?
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? Welche Farbe sollte ich für eine Mietwohnung wählen?
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Normen & Quellen
- DIN EN 13300: Beschichtungsstoffe – Wasserlacke und -beschichtungen (Deckkraft, Nassabrieb)
- VOB/C DIN 18363: Maler- und Lackierarbeiten – Beschichtungen
- VOB/C DIN 18366: Tapezierarbeiten
- BFS-Merkblätter (Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz)