Der Begriff Tischler und Schreiner meint dasselbe Gewerk – die Bezeichnung unterscheidet sich regional (Schreiner im Süden, Tischler im Norden und in NRW). Das Handwerk arbeitet mit Holz, Holzwerkstoffen und zunehmend auch mit Glas, Metall und mineralischen Oberflächen. Typische Gewerke im Einfamilienhaus: Innentüren und Zargen, Treppen und Geländer, Einbaumöbel, Wandverkleidungen, Fensterbänke, Küchenkorpusse bei Sonderanfertigungen, Garderoben und Bettwände.
Dieser Ratgeber zeigt, wann ein Möbelhaus ausreicht und wann sich der Tischler lohnt, welche Holzqualitäten es gibt und wie eine Treppensanierung in der Praxis abläuft. Neurealis koordiniert Tischler als Fachpartner im Gesamtprojekt – wir sind kein Tischlerbetrieb, aber wir wissen, wo wertige Arbeit zu erkennen ist.
Treppen und Einbauten nach Baujahr
Jede Dekade hat ihre typischen Holzelemente mitgebracht. Der Blick auf den Bestand zeigt, ob Sanierung oder Austausch der richtige Weg ist.
| Baujahr | Typische Oberfläche | Typisches Problem |
|---|---|---|
| Vor 1960 | Massivholz-Treppe (oft Kiefer oder Buche), gedrechselte Geländersprossen, Einbauschränke in Wandnischen | Knarrende Stufen durch trockene Verbindungen, abgetretene Trittflächen. Substanz meist gut – Renovierung lohnt sich, Originaldetails bewahren. |
| 1960er | Massivholz-Treppen mit Teppich belegt, erste Fertigtüren mit Röhrenspan, Einbauschränke selten | Teppich entfernen, Originalholz prüfen. Oft lohnt sich Schleifen und Neuversiegeln. Stahlzargen können bleiben, wenn gerade. |
| 1970er–1980er | Teppich-Holz-Mix auf Treppen, dunkle Holzverkleidungen (Fichte, Tanne), Einbauregale in Eiche-rustikal | Wandverkleidungen wirken heute gedrückt und datiert. Tausch gegen helle Wandfarben oder reduzierte Holzakzente verjüngt das Haus spürbar. |
| 1990er | Laminatstufen, Kiefer-Landhausstil, Einbauschränke aus dem Möbelhaus | Laminat auf Treppen altert schlecht (Kantenabbrüche). Tausch gegen Massivholz sinnvoll. Landhaus-Einbauten oft entsorgen und neu planen. |
| Ab 2000 | Buche-Industrieparkett auf Treppen, weiße MDF-Fronten, Schiebetürschränke | Meist brauchbar. Oberflächen lassen sich erneuern (Folienbezug, Neulackierung). Austausch nur bei Beschädigung oder Geschmackswechsel. |
Vor 1960
Oberfläche: Massivholz-Treppe (oft Kiefer oder Buche), gedrechselte Geländersprossen, Einbauschränke in Wandnischen
Problem: Knarrende Stufen durch trockene Verbindungen, abgetretene Trittflächen. Substanz meist gut – Renovierung lohnt sich, Originaldetails bewahren.
1960er
Oberfläche: Massivholz-Treppen mit Teppich belegt, erste Fertigtüren mit Röhrenspan, Einbauschränke selten
Problem: Teppich entfernen, Originalholz prüfen. Oft lohnt sich Schleifen und Neuversiegeln. Stahlzargen können bleiben, wenn gerade.
1970er–1980er
Oberfläche: Teppich-Holz-Mix auf Treppen, dunkle Holzverkleidungen (Fichte, Tanne), Einbauregale in Eiche-rustikal
Problem: Wandverkleidungen wirken heute gedrückt und datiert. Tausch gegen helle Wandfarben oder reduzierte Holzakzente verjüngt das Haus spürbar.
1990er
Oberfläche: Laminatstufen, Kiefer-Landhausstil, Einbauschränke aus dem Möbelhaus
Problem: Laminat auf Treppen altert schlecht (Kantenabbrüche). Tausch gegen Massivholz sinnvoll. Landhaus-Einbauten oft entsorgen und neu planen.
Ab 2000
Oberfläche: Buche-Industrieparkett auf Treppen, weiße MDF-Fronten, Schiebetürschränke
Problem: Meist brauchbar. Oberflächen lassen sich erneuern (Folienbezug, Neulackierung). Austausch nur bei Beschädigung oder Geschmackswechsel.
Möbelhaus oder Tischler? Treppe tauschen oder erneuern?
Zwei Kernentscheidungen bestimmen, ob sich das Schreiner-Gewerk lohnt: die Passgenauigkeit zum Raum und der Zustand des Bestands.
Gibt es schiefe Wände, Dachschrägen oder Nischen, die Standardmaße nicht abdecken?
Tischler – jeder Zentimeter wird genutzt. Im Altbau (unebene Wände, abweichende Raumhöhen) ist Konfektionsware meist Kompromiss.
Möbelhaus oder Online kann reichen. Prüfen, ob passende Maße im Standardprogramm verfügbar sind.
Soll das Möbel bis zur Decke reichen oder wandbündig abschließen?
Tischler – passgenaue Abschlussleisten und wandbündige Fronten sind Maßarbeit. Deckenhohe Schränke ohne Fugen gibt es im Standard kaum.
Freistehende Möbel (z.B. Sideboard) funktionieren auch aus dem Möbelhaus.
Soll das Möbel zwanzig Jahre oder länger halten?
Massivholz oder Tischler-Furnier auf Multiplex. Günstigere Spanplatte (Kantenumleimer) zeigt Verschleiß an Ecken und Kanten nach 5–10 Jahren.
Spanplatten-Möbel mit Folienbeschichtung halten bei normaler Nutzung 8–15 Jahre – ausreichend, wenn Umzug oder Geschmackswechsel absehbar.
Ist die vorhandene Treppe konstruktiv intakt (Wangen fest, keine Setzrisse)?
Renovierung – neue Massivholzstufen werden aufgeklebt und geschraubt, Setzstufen lackiert. Deutlich günstiger als Komplettaustausch.
Austausch planen. Statische Prüfung durch Tischler oder Statiker, ggf. komplett neue Wangentreppe.
Spielt Allergie oder Emissionsarmut eine Rolle?
Massivholz mit Hartwachsöl (E1-zertifiziert) oder Naturölen wählen. Spanplatten entgasen Formaldehyd bei schlechter Qualität – Zertifikate (CARB 2, E0) prüfen.
Standardqualität (E1) reicht für gesunde Erwachsene ohne Vorerkrankung.
Warum Maßmöbel sich im Eigenheim rechnen
| Aspekt | Möbelhaus | Tischler | |--------|-----------|----------| | Maße | Raster in 5-cm-Schritten | Millimetergenau | | Wandanschluss | Sichtfugen, Leisten | Passgenau verspachtelt oder mit Blende | | Dachschräge/Nische | Meist nicht lösbar | Kernkompetenz | | Material | Spanplatte, Folie | Multiplex, Massivholz, Echtholzfurnier | | Oberfläche | Werkseitig beschichtet | Wählbar (geölt, lackiert, gebeizt) | | Beschläge | Standard (oft kurze Garantie) | Hettich/Blum Top-Linien, 10–30 Jahre Garantie | | Lieferzeit | 2–6 Wochen | 6–12 Wochen | | Preisfaktor | 1 | 2,5–4 |
Der Preisunterschied relativiert sich, wenn Sie einrechnen, was Sie mit dem Standardmöbel nicht bekommen: den Raum unter der Treppe, den halben Quadratmeter zwischen Wand und Schornstein, die fünfzehn Zentimeter zwischen Schrank und Decke, in denen sich Staub sammelt. Ein Tischler-Schrank ist kein Möbel, das in den Raum gestellt wird – er wird Teil des Raums.
Wann sich das Gewerk besonders lohnt: Garderobe im Eingangsbereich, Ankleide neben dem Schlafzimmer, Bibliothekswand mit Beleuchtung, Sideboard an unregelmäßiger Wand, TV-Wand mit Kabelführung, Einbaubett mit Schubladen, Badschrank mit integrierter Wäschekippe.
Materialkunde: Massivholz, Furnier, Spanplatte
Massivholz: Durchgehend gewachsenes Holz, keine Schichtaufbauten. Altert mit Patina, kleine Kratzer lassen sich abschleifen, Reparatur ist möglich. Arbeitet bei Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen – in fachgerechter Konstruktion (Nut-Feder, schwimmend gelagerte Füllungen) kein Problem. Preis: hoch. Verwendung: Treppenstufen, Arbeitsplatten, sichtbare Flächen, wo Haptik zählt.
Echtholzfurnier auf Multiplex oder MDF: Eine 0,6 bis 2,5 mm dünne Schicht Echtholz auf einem stabilen Trägermaterial. Optisch und haptisch kaum von Massivholz zu unterscheiden. Verzieht sich nicht, da der Trägerkern spannungsausgleichend wirkt. Preis: mittel. Verwendung: Schrankfronten, Wandverkleidungen, Möbelkorpusse. Vorsicht: Bei stark beanspruchten Kanten kann das Furnier nach Jahren absplittern. Umleimer oder 45-Grad-Gehrungen werten das Möbel auf.
Spanplatte mit Folie oder Melamin: Holzspäne mit Bindemittel gepresst, oberflächlich foliert oder mit Melamin beschichtet. Günstig, formstabil, in unzähligen Dekoren. Kantenumleimer aus ABS oder PVC. Preis: niedrig. Verwendung: Möbelhaus-Ware, Innenleben von Einbauschränken, unsichtbare Korpusteile. Schwachstelle: Wasser, abgeplatzte Kanten, Formaldehyd-Ausdünstung bei minderer Qualität (E1-Siegel prüfen).
Multiplex (Sperrholz): Mehrere dünne Holzschichten kreuzweise verleimt. Sehr stabil, verzieht sich kaum, trägt hohe Lasten. Sichtbare Kanten zeigen das charakteristische Schichtenbild – oft gewünscht als gestalterisches Element. Preis: mittel bis hoch. Verwendung: Regalböden, Arbeitsplatten, schwere Einbauten.
Beliebte Holzarten in NRW: Eiche (natur, geräuchert, gebürstet) als Allrounder, Nussbaum als dunklerer Akzent, Esche für helle Räume, Ahorn für sehr helle Oberflächen. Buche ist robust, wirkt aber oft 1990er. Kiefer spielt in der modernen Sanierung kaum noch eine Rolle.
Treppensanierung: Renovieren oder austauschen?
Renovierung (häufiger Fall): Die bestehende Tragkonstruktion – Wangen, Trittstufen, Setzstufen – bleibt erhalten. Auf die alten Trittstufen werden 15 bis 20 mm starke Massivholz-Stufen geklebt und verschraubt. Die Setzstufen (senkrechte Flächen) erhalten entweder ebenfalls Holz oder werden in Weiß lackiert. Die Kombination Eiche-Trittstufe und weiße Setzstufe ist ein Klassiker, der in fast jedem Stil funktioniert.
Alternativ lassen sich vorhandene Massivholz-Stufen abschleifen und neu ölen oder lackieren – vorausgesetzt, das Holz ist noch stark genug (mindestens 20 mm Restdicke nach dem Schleifen). Diese Variante ist die günstigste und materialschonendste Lösung, setzt aber gute Ausgangssubstanz voraus.
Austausch (Ausnahme): Ein Komplettaustausch lohnt sich bei statischen Problemen (ausgeschlagene Wangen, abgesunkene Podeste), bei Grundrissänderungen, wenn eine andere Treppenform gewünscht ist (Wendel- statt gerade Treppe), oder bei Brandschutzanforderungen im Treppenhaus. Eine neue Wangentreppe in Eiche wird vom Tischler individuell gefertigt und vor Ort montiert – Lieferzeit 8–12 Wochen.
Das Geländer prägt den Eindruck stärker als die Stufe. Ein altes Holzgeländer mit gedrechselten Sprossen durch ein reduziertes Edelstahl-Geländer mit Glasfüllung oder horizontalen Seilen zu ersetzen, verändert das Treppenhaus radikal – ohne die Treppe selbst anzurühren. Wichtig: Die Absturzsicherung muss die Landesbauordnung NRW erfüllen (Griffhöhe 90 cm, Pfostenabstand maximal 12 cm bei Kindern im Haushalt).
Praxiswert: Eine Treppenrenovierung mit Eichenstufen, weißen Setzstufen und einem neuen Edelstahl-Glas-Geländer kostet in der Regel 30–40 % eines Komplettaustauschs. Das eingesparte Budget lässt sich in Beleuchtung investieren – LED-Streifen unter den Stufennasen sind sowohl gestalterisch als auch sicherheitstechnisch ein spürbares Upgrade.
Einbauschränke: Ankleide, Garderobe, Dachschräge
Ankleide: Ein Raum von 6–10 m² wird komplett mit Schrankwänden ausgestattet – bis zur Decke, von Wand zu Wand. Eine professionelle Ankleide enthält: Auszüge für Falthosen, Schubladen für Socken und Unterwäsche (Innenleben aus Multiplex oder Nussbaum-Furnier sichtbar), Kleiderstangen in zwei Ebenen (kurze und lange Kleidungsstücke), ausziehbare Hosenhalter, integrierter Spiegel, LED-Beleuchtung in den Seitenteilen, Soft-Close-Beschläge. Investition ab dem mittleren vierstelligen Bereich, je nach Größe und Ausstattung – konkrete Kosten klären wir im Beratungsgespräch.
Garderobe im Eingangsbereich: Oft die erste Tischlerarbeit, die sich bezahlt macht. Eine Garderobe nach Maß nutzt die Wandbreite komplett, integriert Schuhauszüge, Sitzbank, Hakenleiste, einen geschlossenen Bereich für Jacken und einen offenen für Schals. Wandbündige Fronten ohne Griffe (Push-to-Open oder grifflose Fräsungen) wirken ruhig und lassen den Flur größer erscheinen.
Dachschrägen-Einbauten: Hier ist Standardmöbel kaum eine Option. Ein Tischler baut Schränke, die der Schräge bis auf wenige Millimeter folgen – nutzbar bis in die hinterste Ecke. Wichtig bei der Planung: Die Kniestockhöhe (meist 60 bis 120 cm) bestimmt, was sich darin unterbringen lässt. Unter 80 cm funktionieren nur Auszüge, keine Fächer zum Hineinschauen.
Treppenhaus-Stauraum: Der Raum unter einer Treppe wird in Bestandsbauten oft ungenutzt. Ein Tischler fertigt Auszüge oder Schubkästen, die bündig in die Treppenwange einpassen – ohne sichtbare Griffe, ohne Verschnitt. Ideal für Putzschrank, Schuhauszüge oder Wein-Lagerung.
Innenleben nicht vergessen. Die schönste Front nützt nichts, wenn innen alles verrutscht. Gute Planung bedeutet: Schubladen mit Vollauszug (ziehen 100 % aus), Kleiderstangen höhenverstellbar, mindestens 60 cm Tiefe für Oberbekleidung, beleuchtete Regalböden bei geschlossenen Schränken, lautlose Dämpfung an allen Türen und Auszügen.
Wandverkleidungen: Akustik, Akzent, Atmosphäre
Akustikpaneele: Schmale Holzlamellen (meist Eiche oder Nussbaum) auf schwarzem Filzträger montiert. Die Fugen zwischen den Lamellen absorbieren Schall, der Raum wirkt ruhiger – hörbar, besonders in Wohnzimmern mit harten Böden und viel Glas. Montage auf Klebeschienen oder direkt an der Wand. Geeignet für Wohnzimmer-Akzentwand, Schlafzimmer hinter dem Bett, TV-Wand.
Vollflächige Holzvertäfelung: Eine ganze Wand in Echtholz (Eiche rustikal, Nussbaum, Räuchereiche) verkleidet. Wirkt hochwertig, aber in kleinen Räumen schnell dominant. Faustregel: Nur eine Wand pro Raum, und der Raum sollte mindestens 20 m² haben.
Mikro-Kassetten und Profile: Feine, umlaufende Holzprofile an den Wänden erzeugen eine ruhige, klassische Struktur. Beliebt in Altbauten mit hohen Decken, wo die Vertäfelung die Raumhöhe betont statt erschlägt. Die Profile sind meist aus MDF, weiß lackiert oder in Wandfarbe gestrichen – eine stilvolle Alternative zur durchgehend glatten Wand.
Fensterbänke aus Massivholz: Ein kleines, oft vergessenes Detail. Eine Massivholz-Fensterbank (20–40 mm stark, Eiche oder Nussbaum, geölt) wirkt wertiger als Werksteinbank oder lackiertes MDF. Im Altbau mit tiefen Fensterlaibungen besonders wirkungsvoll – die breite Holzbank lädt zum Sitzen ein.
Praxistipp: Holzoberflächen reagieren empfindlich auf Luftfeuchtigkeit. In Bad und Küche eignen sich nur speziell versiegelte Hölzer (Thermoesche, geöltes Teak, Räuchereiche mit Polyurethan-Lack) oder Holzoptik-Fliesen. In trockenen Wohnräumen ist die Materialwahl dagegen frei.
Tischler an der Schnittstelle: Küche, Bad, Sonderlösungen
Typische Schnittstellen-Aufträge: Eine Arbeitsplatte aus geöltem Nussbaum (eine Länge, keine Stoßfuge), die das Küchenstudio nicht im Programm hat. Eine wandhohe Abschlussblende an der offenen Seite der Küche. Ein Tresen aus Multiplex mit sichtbaren Kanten. Wandregale über der Arbeitsfläche aus dem gleichen Holz wie die Fronten des Esstischs.
Im Bad: Der Tischler fertigt Waschtischunterschränke aus feuchteresistenten Materialien (wasserfest verleimtes Multiplex, Massivholz mit 2-Komponenten-Lack), integriert die gewählte Waschtischplatte, baut Nischenlösungen für Handtücher und Toilettenpapier in die Trockenbauwand. Wichtig: Die Abdichtung nach DIN 18534 muss unter dem Holzmöbel vorhanden sein – das Möbel selbst ist keine Abdichtung.
Bett- und TV-Wände: Ein Einbaubett mit integriertem Kopfteil, seitlichen Regalen und verdeckter Beleuchtung verwandelt ein Schlafzimmer. Eine TV-Wand mit versteckter Kabelführung, eingelassenem Kaminelement und Regalpartien für Bücher und Dekoration ersetzt den klassischen Mix aus Lowboard, Regal und Bildern – aufgeräumter und wertiger im Alltag.
Sonderlösungen: Eine Sitzbank entlang der Fensterfront mit Stauraum darunter. Ein Homeoffice-Einbau unter der Dachschräge. Ein Garderoben-Durchblick, der Flur und Wohnraum optisch verbindet. All das kann ein guter Schreiner leisten – vorausgesetzt, er wird früh in die Planung einbezogen.
Qualitätsmerkmale: Woran erkennt man gute Tischlerarbeit?
Beschläge: Scharniere und Auszüge von Hettich, Blum oder Grass sind Industriestandard und halten bei normaler Nutzung 15–25 Jahre. Billigere No-Name-Beschläge fallen nach 3–5 Jahren durch wackelnde Türen und ausgeschlagene Auszüge auf. Im Angebot nach Herstellername fragen – Schweigen ist ein Warnsignal.
Kantenbearbeitung: Sichtbare Möbelkanten entscheiden über den Gesamteindruck. Hochwertige Ausführungen: 45-Grad-Gehrung (die Front trifft die Seite in einem sauberen Winkel), umlaufender Massivholz-Umleimer, oder durchgehendes Furnier über die Kante hinaus. Billige Ausführung: ABS-Umleimer in Kontrastfarbe, Plastikkanten an den Stirnseiten.
Oberfläche: Geölte Hölzer haben eine matte, warme Anmutung und lassen sich punktuell reparieren (Öl nachpflegen, kleine Kratzer ausschleifen). Lackierte Oberflächen sind pflegeleichter, zeigen aber Kratzer als weiße Linien im Lack – Reparatur nur durch Komplett-Überarbeitung möglich. Offenporige Öle (Osmo, Rubio Monocoat) sind der aktuelle Standard für sichtbare Holzflächen.
Wandanschluss: Ein Tischler, der Wert auf saubere Arbeit legt, misst die Wand vor der Montage ein, fertigt eine Anschlussleiste auf Maß und verspachtelt oder kaschiert kleine Restfugen. Sichtbare Spalten zwischen Schrank und Wand sind ein Zeichen für Hektik oder mangelnde Sorgfalt.
Innenleben: Rückwände aus 6–8 mm dicker Hartfaserplatte (HDF) sind Standard – Multiplex-Rückwände (8–12 mm) sind stabiler und wertiger. Einlegeböden mindestens 18 mm dick. Beleuchtung per LED-Einbau im Schrank, nicht nachträglich geklebte Streifen.
Vertragliche Punkte: Tischler-Aufträge sollten schriftlich genau beschreiben: Holzart mit Qualität (Eiche Sortierung A, B oder rustikal), Oberflächenbehandlung, Beschlaghersteller, Liefertermin, Montagetermin, Zahlungsplan (Anzahlung 30 %, Zwischenzahlung bei Anlieferung, Restzahlung nach Abnahme). VOB Teil C, DIN 18355 (Tischlerarbeiten) sollte als Grundlage gelten.
Konkrete Preise für Ihr Projekt
Checkliste: Tischlerarbeiten in der Sanierung
Diese zwölf Punkte sollten vor der Auftragsvergabe an einen Tischler geklärt sein.
Praxis-Tipps
Tischler früh einbinden – nicht erst am Ende
Der klassische Fehler: Die Elektroinstallation ist fertig, die Wände sind gestrichen, dann soll der Tischler den Schrank bauen. Ergebnis: Steckdosen liegen ungünstig, Kabel müssen verlegt werden, die Wandfarbe passt nicht zur Holzart. Der Tischler gehört in die Planungsphase – zusammen mit Elektriker und Maler. Eine Stunde gemeinsame Besprechung am Anfang spart zehn Stunden Nacharbeit.
Muster bestellen und im Raum prüfen
Holzoberflächen wirken im Lichtkegel einer Ausstellung anders als im eigenen Wohnzimmer. Lassen Sie sich Muster (A5- oder A4-Format) geben und legen Sie sie an die vorgesehene Stelle – morgens, mittags, abends, bei Kunstlicht und Tageslicht. Erst dann bestellen. Das spart die böseste Überraschung der Sanierung: ein Holz, das im fertigen Raum anders wirkt als gedacht.
Deckenhöhe bei Einbauschränken nutzen
Ein Schrank, der bis zur Decke reicht, wirkt teurer als ein gleicher Schrank mit 30 cm Luft darüber – und er bietet 15–20 % mehr Stauraum. Die Obersache lässt sich für selten genutzte Gegenstände nutzen (Reisegepäck, Saisonkleidung). Die vermeintliche Ersparnis durch einen niedrigeren Schrank rechnet sich selten.
Holzartenmix bewusst reduzieren
Boden Eiche, Treppe Nussbaum, Einbauschrank Buche, Arbeitsplatte Ahorn – das wird unruhig. Beschränken Sie sich pro Haus auf maximal zwei Holztöne. Eine Hauptholzart (meist Eiche) und eine Akzentart (Nussbaum oder Räuchereiche) reichen aus. Wandverkleidungen, Möbel und Boden harmonieren dann auch bei unterschiedlichen Gewerken.
Geölte Oberflächen sind pflegefreundlicher, als viele denken
Der Mythos: Geölte Möbel müssen ständig nachgeölt werden. Die Realität: Einmal im Jahr mit einem ölgetränkten Tuch abwischen genügt bei normaler Nutzung. Kratzer lassen sich punktuell reparieren, ohne die ganze Fläche neu zu behandeln. Lackierte Oberflächen sind bei Schäden der Albtraum – dort reicht Reparatur oft nicht mehr, nur Komplett-Überarbeitung.
Häufige Fragen
? Lohnt sich ein Tischler gegenüber einem Möbelhaus-Einbauschrank?
Lohnt sich ein Tischler gegenüber einem Möbelhaus-Einbauschrank?
? Kann eine alte Treppe immer saniert werden?
Kann eine alte Treppe immer saniert werden?
? Welches Holz ist am pflegeleichtesten?
Welches Holz ist am pflegeleichtesten?
? Wie lange dauert eine Einbauschrank-Anfertigung?
Wie lange dauert eine Einbauschrank-Anfertigung?
? Was kostet mich ein maßgefertigter Einbauschrank im Vergleich zum Möbelhaus?
Was kostet mich ein maßgefertigter Einbauschrank im Vergleich zum Möbelhaus?
? Ist Massivholz wirklich besser als Furnier?
Ist Massivholz wirklich besser als Furnier?
? Kann ich den Tischler direkt beauftragen oder läuft alles über neurealis?
Kann ich den Tischler direkt beauftragen oder läuft alles über neurealis?
Tischlerarbeiten im Gesamtprojekt mitdenken
Sie planen eine Sanierung mit Tischler-Gewerken – Treppe, Einbaumöbel, Garderobe, Ankleide? Wir koordinieren Tischler als Fachpartner und stimmen alle Gewerke aufeinander ab. Ein Gesprächspartner, eine Baustelle, ein Zeitplan.
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Normen & Quellen
- DIN 18355: VOB Teil C – Tischlerarbeiten (Ausführungsgrundlagen und Toleranzen)
- DIN 68800: Holzschutz – Konstruktive und chemische Maßnahmen
- DIN 68365: Holz-Sortierung – Qualitätsklassen A, B und rustikal
- DIN EN 942: Holz in Tischlerarbeiten – Holzfeuchte und Sortiermerkmale
- DIN 18065: Gebäudetreppen – Maße, Sicherheit, Absturzsicherung
- TRAV: Technische Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen
- Landesbauordnung NRW §38: Umwehrungen, Geländerhöhen, Pfostenabstände
- Emissionsklasse E1 (EN 13986): Formaldehyd-Grenzwerte für Holzwerkstoffe