Doch Trockenbau verzeiht keine halben Sachen. Eine einfach beplankte CW-75-Wand mit einer Lage Gipskarton je Seite erreicht gerade 42 dB Schalldämmung – normale Sprache ist im Nebenzimmer deutlich verständlich. Erst die doppelte Beplankung, Mineralwolldämmung im Hohlraum und versetzt angeordnete Steckdosen machen aus der leichten Trennwand einen echten Rückzugsraum.
Dieser Ratgeber zeigt, wann Trockenbau die richtige Wahl ist, welche Gipskartonplatte wohin gehört, wie Sie Schallbrücken vermeiden und warum die Installationsebene im Altbau Tausende Euro für Stemmarbeiten spart. Putzthemen streifen wir nur am Rand – dafür finden Sie einen eigenen Ratgeber Putzarbeiten im Eigenheim.
Wandbau-Generationen: Vom Massivbau zum modernen Trockenbau
Trockenbau ist eine vergleichsweise junge Bautechnik. Je nach Baujahr Ihres Hauses treffen Sie auf unterschiedliche Systeme – oder finden massive Trennwände vor, die sich sinnvoll durch Trockenbau ergänzen lassen.
| Baujahr | Typische Oberfläche | Typisches Problem |
|---|---|---|
| Vor 1960 | Ausschließlich Massivbau: Vollziegel, Lehm, Bimsbeton. Trennwände tragend oder aus 11,5 cm Ziegel | Kein Trockenbau vorhanden. Jede Grundrissänderung = Stemmarbeiten. Neue Räume ideal mit Ständerwand ergänzen |
| 1960–1980er | Erster Trockenbau: Gips-Wandbauplatten, einfache Holzständerkonstruktionen als Raumteiler | Oft hellhörig (Schalldämmung unter 40 dB). Bei Sanierung komplett erneuern statt verstärken |
| 1990er–2000er | GKB-Standard mit CW-/UW-Metallprofilen, 12,5 mm Beplankung, Mineralwolldämmung | Substanz meist in Ordnung. Für moderne Ansprüche an Schallschutz aber oft zu einfach beplankt |
| Ab 2010 | Hochwertige Akustikplatten, Feuchtraum-GKI, Brandschutz-GKF, doppelte Beplankung als Standard | Substanz gut. Bei Umbauten auf passendes System achten – Mischungen führen zu Rissen und Schallbrücken |
Vor 1960
Oberfläche: Ausschließlich Massivbau: Vollziegel, Lehm, Bimsbeton. Trennwände tragend oder aus 11,5 cm Ziegel
Problem: Kein Trockenbau vorhanden. Jede Grundrissänderung = Stemmarbeiten. Neue Räume ideal mit Ständerwand ergänzen
1960–1980er
Oberfläche: Erster Trockenbau: Gips-Wandbauplatten, einfache Holzständerkonstruktionen als Raumteiler
Problem: Oft hellhörig (Schalldämmung unter 40 dB). Bei Sanierung komplett erneuern statt verstärken
1990er–2000er
Oberfläche: GKB-Standard mit CW-/UW-Metallprofilen, 12,5 mm Beplankung, Mineralwolldämmung
Problem: Substanz meist in Ordnung. Für moderne Ansprüche an Schallschutz aber oft zu einfach beplankt
Ab 2010
Oberfläche: Hochwertige Akustikplatten, Feuchtraum-GKI, Brandschutz-GKF, doppelte Beplankung als Standard
Problem: Substanz gut. Bei Umbauten auf passendes System achten – Mischungen führen zu Rissen und Schallbrücken
Massivwand oder Trockenbau? Die Entscheidung
Beide Systeme haben ihre Berechtigung. Diese Entscheidungshilfe zeigt, wann sich Trockenbau lohnt und wann eine Massivwand die bessere Wahl ist.
Wand trägt Lasten (Decke, Obergeschoss, Dach)?
Tragende Wand – Trockenbau kommt nicht infrage. Massivbau oder Stahlträger-Lösung (Statiker zwingend erforderlich).
Nichttragende Wand – Trockenbau ist möglich. Weiter prüfen.
Raum wird feucht genutzt (Bad, Küche, WC)?
Trockenbau mit GKI-Platten (grün, imprägniert) möglich. Im Spritzwasserbereich zusätzlich Flüssigabdichtung. Vorwandinstallation oft ideal.
Standard-GKB-Platten (grau) ausreichend. Weiter prüfen.
Schallschutz wichtig (Home-Office, Schlafzimmer, Kinderzimmer)?
Doppelte Beplankung beidseitig (4 Lagen gesamt) + 60 mm Mineralwolle + Steckdosen um mind. 30 cm versetzen. Erreicht rund 50 dB.
Einfache Beplankung reicht (rund 42 dB). Für Durchgangszonen und Nebenräume ausreichend.
Schwere Lasten (Hängeschrank, Waschtisch, wandhängendes WC) geplant?
Traversen und verstärkte Profile in der Unterkonstruktion einplanen – vor dem Beplanken! Nachträgliche Verstärkung kaum möglich.
Standard-Unterkonstruktion reicht. Leichte Lasten (Bilder, kleine Regale) halten mit Hohlraumdübeln.
Altbau mit krummen Wänden und alter Elektrik?
Installationsebene prüfen: 5–7 cm Vorsatzschale vor der Altbauwand. Neue Leitungen unsichtbar, keine Stemmarbeiten, alter Putz bleibt.
Wenn Untergrund eben und Elektrik intakt: Massivwand bleibt, nur spachteln und streichen.
Wo Trockenbau im Eigenheim seine Stärken ausspielt
Raumteilung: Ein großer Raum wird in zwei kleinere unterteilt. Die neue Trennwand besteht aus CW- und UW-Profilen aus Metall, beidseitig mit Gipskartonplatten beplankt, dazwischen Mineralwolldämmung für den Schallschutz. Wandstärke je nach Ausführung 10 bis 15 Zentimeter. Aufbauzeit für eine erfahrene Fachfirma: ein Tag Unterkonstruktion, ein weiterer für Beplankung und Verspachtelung.
Vorwandinstallation: Im Bad, Gäste-WC und teilweise in der Küche werden Sanitärleitungen hinter einer Vorwand geführt. Die Vorwand schafft Platz für Abwasserrohre, Wasserleitungen und Spülkästen, ohne dass das Mauerwerk aufgestemmt werden muss. Typische Vorwandtiefe: 15 bis 20 Zentimeter. Im Hohlraum verschwinden auch Elektroleitungen und Unterputzdosen.
Deckenabhängung: In Altbauten mit Deckenhöhen ab 3,20 Meter lohnt sich eine abgehängte Decke: für Spots und LED-Beleuchtung, für bessere Raumakustik, für Leitungsführung im Deckenhohlraum. Unter 2,40 Meter Resthöhe wird es eng, unter 2,30 Meter unterschreiten Sie in vielen Bundesländern die baurechtliche Mindesthöhe für Aufenthaltsräume.
Dachausbau: Im Dachgeschoss ist Trockenbau meist die einzige sinnvolle Option. Dachschrägen werden mit Metallprofilen oder Holzlatten ausgestattet, mit Dampfbremse und Gipskarton beplankt. Zwischen Sparren und Beplankung bleibt Platz für Dämmung und Elektroinstallation. Achtung bei der Dampfbremse – eine fehlerhafte Folie führt zu Tauwasser, Schimmel und im schlimmsten Fall zum Konstruktionsschaden.
Gipskartonplatten: GKB, GKI, GKF – welche Platte wohin
| Plattentyp | Farbe | Einsatzbereich | Besonderheit | |------------|-------|----------------|--------------| | GKB (Standard) | grau | Wohnzimmer, Schlafzimmer, Flur, Home-Office | Beidseitig kartonkaschiert, 12,5 mm Standard | | GKI (imprägniert) | grün | Bad, WC, Küche, Waschraum | Reduzierte Feuchteaufnahme, aber NICHT wasserdicht | | GKF (Brandschutz) | rosa | Heizungsraum, Brandwände, Durchführungen | Glasfaserverstärkt, je nach System F30–F90 | | Faserzement/Zementbauplatte | grau | Bodengleiche Duschen, Poolbereich | Für Extremfeuchte, selten im Eigenheim nötig |
Wichtige Missverständnisse ausräumen: Imprägniert bedeutet feuchtigkeitsresistent, nicht wasserdicht. Im Spritzwasserbereich der Dusche oder Wanne reicht eine GKI-Platte allein nicht aus – hier muss zusätzlich eine Flüssigabdichtung aufgebracht werden. Die Abdichtung ist der eigentliche Schutz, nicht die Platte.
Eine einzelne Brandschutzplatte macht noch keine Brandschutzwand. Die Feuerwiderstandsklasse (F30, F60, F90) hängt von der Gesamtkonstruktion ab: Plattendicke, ein- oder zweilagige Beplankung, Profiltyp, Dämmstoff, Anschluss an angrenzende Bauteile. Planen Sie Brandschutz deshalb als System, nicht als Einzelprodukt – vor allem am Heizungsraum und an Durchführungen zur Garage.
Metallständerwand: Aufbau und Varianten
Schritt 1 – Unterkonstruktion: UW-Profile (U-förmig) werden am Boden und an der Decke befestigt, dazwischen CW-Profile (C-förmig) im Achsabstand von 62,5 Zentimetern als senkrechte Ständer. Standard-Profilbreiten: CW 50, CW 75 und CW 100 Millimeter. Größeres Profil = dickere Wand = besserer Schallschutz, mehr Platz für Installationen und Dämmung.
Schritt 2 – Installationen einlegen: Elektroleitungen, Netzwerkkabel und gegebenenfalls Sanitärleitungen werden durch die vorgestanzten Öffnungen der CW-Profile geführt. Unterputzdosen mit Hohlwand-Einsätzen vorbereiten.
Schritt 3 – Dämmung: Mineralwolle (Stein- oder Glaswolle) in den Hohlraum einlegen. 40 Millimeter reichen für einfachen Wärmeschutz, 60 Millimeter sind Standard für guten Schallschutz.
Schritt 4 – Beplankung: Gipskartonplatten auf die Profile schrauben. Einfache Beplankung (eine Lage je Seite) für einfache Raumteiler. Doppelte Beplankung (zwei Lagen je Seite, Fugen versetzt) für Schallschutz- und Brandschutzwände.
Schritt 5 – Verspachteln: Fugen mit Bewehrungsstreifen und Spachtelmasse verschließen, Schraubenköpfe abspachteln, Kanten schützen. Je nach Endbeschichtung Q2 (unter Raufaser) bis Q3 (unter feiner Tapete oder glattem Anstrich).
Maximale Wandhöhe: CW 50 bis etwa 2,80 Meter, CW 75 bis 3,50 Meter, CW 100 bis über 4 Meter. Bei höheren Wänden oder schweren Lasten Doppelständer oder UA-Aussteifungsprofile einplanen.
Schallschutz im Trockenbau: So werden Wände wirklich ruhig
Eine einfach beplankte Wand mit CW-75-Profil und einer Lage Gipskarton je Seite erreicht ein Schalldämmmaß von etwa 42 dB. Klingt nach einer Zahl – in der Praxis bedeutet es: normale Sprache ist im Nebenraum deutlich verständlich. Für Home-Office, Schlafzimmer oder Kinderzimmer ist das zu wenig.
Die drei Stellschrauben für echten Schallschutz:
- Doppelte Beplankung: Zwei Lagen Gipskarton je Seite (vier Lagen gesamt) steigern das Schalldämmmaß auf rund 50 dB. Die Platten versetzt montieren, damit keine durchgehenden Fugen entstehen.
- Mineralwolle im Hohlraum: 60 Millimeter absorbieren Schallenergie und verbessern den Wert um 3 bis 5 dB. Die Dämmung muss locker eingelegt werden, nicht zusammengedrückt.
- Entkoppelte Profile: Zwei getrennte Ständerreihen ohne Verbindung eliminieren die Schallbrücke durch das Metallprofil und erreichen Werte über 55 dB. Konstruktionsstärke steigt auf 18–20 Zentimeter.
Der bewährte Eigenheim-Standard: CW-75-Profil, doppelte Beplankung beidseitig, 60 Millimeter Mineralwolle im Hohlraum. Ergibt eine 15 Zentimeter dünne Wand mit einem Schalldämmmaß vergleichbar einer 17,5 Zentimeter starken Kalksandsteinwand – bei deutlich geringerem Gewicht und schnellerem Aufbau.
Versteckte Schallbrücken: Steckdosen sind der klassische Schwachpunkt. Zwei Dosen, die auf gegenüberliegenden Seiten einer Trockenbauwand an derselben Stelle sitzen, schaffen eine akustische Schwachstelle – der Schall läuft durch den Hohlraum hinter der Dose. Lösung: Dosen um mindestens 30 Zentimeter versetzen und die Dosenöffnung beidseitig mit Akustikdichtmasse abdichten. Auch Anschlüsse an Decke und Boden müssen akustisch entkoppelt werden – Randdämmstreifen unter den UW-Profilen sind Pflicht, nicht Kür.
Vorwandinstallation: Das Herzstück jeder modernen Badsanierung
So funktioniert eine Vorwand: Vor die bestehende Badwand wird eine Metallständerkonstruktion gestellt, typischerweise 15 bis 20 Zentimeter tief. In diesem Hohlraum verschwinden Abwasserrohre, Wasserleitungen, Spülkästen, Elektroleitungen und Unterputzdosen. Beplankt wird die Vorwand mit GKI-Feuchtraumplatten oder in besonders beanspruchten Bereichen mit Zementbauplatten. Anschließend Abdichtung und Fliesen.
Welche Objekte sind wandhängend möglich?
- Wand-WC mit Unterputzspülkasten (Standard bei Neubauten und modernen Sanierungen)
- Wandhängender Waschtisch ohne Standfuß
- Urinal
- Wannen-Armaturen und Duschmischer mit Unterputzkörper
- Handtuchheizkörper mit verdecktem Anschluss
Was Sie bei der Planung beachten sollten:
Die Traglast einer Vorwand ist nicht unbegrenzt. Für ein wandhängendes WC braucht es einen Spülkasten mit zugelassenem Traggestell, das Lasten bis etwa 400 Kilogramm aufnimmt. Wichtig: Das Traggestell steht auf dem Estrich und leitet die Last direkt in den Boden – die Vorwand selbst trägt nicht.
Planen Sie Revisionsöffnungen ein, mindestens am Spülkasten. Eine kleine Klappe (30×30 cm) im gefliesten Bereich ermöglicht später den Zugang zu Spülventil und Absperrhahn, ohne Fliesen aufschlagen zu müssen. Die Alternative – alles komplett zufliesen – ist die teuerste Variante im Wartungsfall.
Raum-im-Raum-Lösungen: In kleinen Bädern kann eine teilhohe Vorwand (110–120 cm) sinnvoll sein. Sie nimmt Leitungen auf, dient gleichzeitig als Ablage und lässt den Raum nicht einengen.
Deckenabhängung: Wenn Höhe zu Gestaltung wird
Systeme für die Deckenabhängung:
- Direktabhänger: Einfachste Variante, Abhängung bis etwa 15 Zentimeter. Für Räume mit ausreichender Höhe, keine besonderen Akustikanforderungen.
- Nonius-Abhänger: Präzise höhenverstellbar auch nach der Montage, Abhängung 10–60 Zentimeter. Der Standard für anspruchsvolle Projekte.
- Federabhänger: Entkoppeln die abgehängte Decke akustisch von der Rohdecke – wichtig bei Trittschallproblemen aus der Wohnung oder dem Geschoss darüber.
Anwendungsfälle im Eigenheim:
- Beleuchtungskonzept: Spots, LED-Leisten und indirekte Beleuchtung in der Decke integrieren. Kabel verschwinden im Hohlraum, keine Aufputzleitungen.
- Raumakustik: In großen, offenen Wohn-Ess-Koch-Bereichen mit harten Böden (Fliesen, Parkett) wirken akustikwirksame Deckenplatten gegen Hall.
- Leitungsführung: Bei Badumbau in einem Geschoss darüber oder bei nachträglicher Lüftungsanlage nimmt die abgehängte Decke Leitungen auf, ohne die Rohdecke zu durchstoßen.
- Optische Raumwirkung: Unterschiedliche Deckenhöhen zonieren offene Grundrisse – tiefere Decke über Essbereich, höhere über Wohnbereich.
Mindesthöhe nicht unterschreiten: Nach der Abhängung sollte die lichte Raumhöhe in Aufenthaltsräumen mindestens 2,40 Meter betragen – viele Landesbauordnungen schreiben das als Mindestmaß vor. In NRW regelt das die BauO NRW. In Nebenräumen (Flur, Abstellraum) sind 2,20 Meter noch zulässig. Prüfen Sie vor der Planung, was Ihre Deckenhöhe hergibt.
Beplankung: Standard ist 12,5 Millimeter GKB. Bei großen Spannweiten oder als Brandschutz nach oben (Dachgeschosswohnung darunter) kommen doppellagige Beplankung oder GKF zum Einsatz.
Installationsebene im Altbau: Der unterschätzte Trick
Wie es funktioniert: Eine Installationsebene aus Trockenbau-Profilen, nur 5 bis 7 Zentimeter tief, wird vor die Altbauwand montiert. In diesen Hohlraum kommen neue Elektroleitungen, Netzwerkkabel, sogar dünne Sanitäranschlüsse. Der alte Putz bleibt – sofern er fest haftet – und wird nicht beschädigt. Auf die Installationsebene kommt eine Lage Gipskarton, Spachtel und Anstrich.
Die Vorteile:
- Keine Stemmarbeiten, kein Bauschutt, kein Tagelanger Lärm für die Nachbarn
- Historische Bausubstanz bleibt erhalten – relevant bei Denkmalschutz und bei Liebhabern der Originalsubstanz
- Wand ist anschließend exakt lot- und fluchtgerecht, auch wenn der Altbau krumm war
- Unebenheiten von 20 bis 30 Millimetern (typisch bei 1960er-Bauten) werden automatisch ausgeglichen
- Elektrik, Datenverkabelung und moderne Sanitäranschlüsse lassen sich nachträglich ergänzen, ohne die Wand erneut zu öffnen
Die Einschränkungen:
- Raumverlust von 6 bis 8 Zentimetern pro Außenwand
- Bei tragenden Lasten (schwerer Hängeschrank, Waschtisch) müssen Traversen oder Durchsteckbefestigungen bis ins Mauerwerk geplant werden
- Nicht sinnvoll in sehr kleinen Räumen, wo jeder Zentimeter zählt
Die Installationsebene ist eines der effizientesten Werkzeuge der Altbausanierung. Wer sie kennt und richtig einsetzt, spart im Vergleich zum klassischen Stemmen deutlich an Zeit und Belastung. Besonders wertvoll ist sie bei denkmalgeschützten Fassaden, bei denen die Wand ohnehin nicht von außen geöffnet werden darf.
Brandschutz und Grundrissänderung im Trockenbau
Wo Brandschutz-Trockenbau gefordert ist:
- Heizungsraum zur Wohnung: in der Regel F30 oder F90 (je nach Leistung der Heizung und Landesbauordnung)
- Garage zum Wohnbereich: F30 oder F90, abhängig von der Art der Garage und Bauordnung
- Treppenhauswände in Zweifamilienhäusern
- Trennwände zwischen Wohneinheiten (beispielsweise bei Mehrfamilienhausumbau zum Zweifamilienhaus)
- Installationsschächte mit Durchführungen
Typischer Aufbau einer F30-Wand: CW-75-Profil, beidseitig doppelte Beplankung mit GKF-Platten (12,5 mm), 60 mm Mineralwolle im Hohlraum. Wichtig: Der Brandschutz hängt vom System ab, nicht vom Einzelprodukt. Anschlüsse an Decke, Boden und angrenzende Wände müssen mit zugelassenem Brandschutzmaterial ausgeführt werden.
Grundrissänderung ohne Maurer: Trockenbau ist das ideale Werkzeug, um nichttragende Grundrissänderungen umzusetzen. Ein Home-Office aus einer Ecke des Wohnzimmers, eine begehbare Speisekammer aus einem überflüssigen Durchgangszimmer, ein neues Kinderzimmer aus einem geteilten Schlafzimmer – das alles geht mit Trockenbau in Tagen statt Wochen. Die Voraussetzung: Die Wand darf nicht tragend sein. Wenn Sie sich unsicher sind, beauftragen Sie einen Statiker für eine kurze Bestandsaufnahme – das Honorar liegt im unteren vierstelligen Bereich und ist die beste Versicherung gegen Folgeschäden. Eine unsachgemäß entfernte tragende Wand führt zu Setzungsrissen im gesamten Haus.
Für Wanddurchbrüche in tragenden Wänden kommt Trockenbau nicht infrage – hier braucht es Stahlträger, Statik, Genehmigung. Aber die neue Trennwand nebenan oder die Vorwand im Bad sind klassische Trockenbau-Aufgaben.
Vom Trockenbau zum fertigen Raum: Was als Nächstes kommt
Spachtelqualität als Schnittstelle: Für Gipskarton unter Raufaser reicht Q2. Für Vliestapete oder glatten Dispersionsanstrich brauchen Sie Q3 – vollflächig überspachtelt, drei bis vier Arbeitsgänge. Q3 ist im selbstgenutzten Eigenheim Standard, denn Sie leben jahrelang mit den Wänden und sehen jede Welle bei Streiflicht. Q4 (lackierfähige Oberfläche) ist eine Entscheidung für einzelne Akzentwände.
Trocknungszeit beachten: Die Spachtelmasse muss komplett austrocknen, bevor grundiert und gestrichen wird. Je nach Raumklima und Spachtelmenge sind das 24 bis 72 Stunden. Nicht heizen, nicht mit Ventilator beschleunigen – gleichmäßiges, langsames Trocknen verhindert Risse.
Wenn Sie auch Altwände verputzen lassen: Das Zusammenspiel zwischen Trockenbau und Putzarbeiten ist in der Altbausanierung der Regelfall. Die Ständerwand im Flur trifft auf die alte Bimsbetonwand, die frisch verputzt wurde. An dieser Kante entstehen Spannungen, wenn die Materialien unterschiedlich arbeiten. Armierungsgewebe an den Materialübergängen ist Pflicht – alles Weitere zu Kalkputz, Gipsputz, Kalk-Zement-Putz und zur Reihenfolge im Bauablauf finden Sie im separaten Ratgeber Putzarbeiten im Eigenheim.
Koordination mit Elektrik und Sanitär: Trockenbau kommt nach der Rohinstallation, aber vor der Endmontage. Elektroleitungen werden verlegt, während die Profile stehen – dann wird beplankt. Erst danach setzt der Elektriker Dosen und Schalter, der Sanitärinstallateur montiert Armaturen und Waschtisch. Diese Reihenfolge ist Pflicht und entscheidet darüber, ob das Ergebnis sauber aussieht oder flickwerkartig.
Konkrete Preise für Ihr Trockenbau-Projekt
Checkliste: Trockenbau im Eigenheim planen
Diese 12 Punkte sollten Sie vor und während jeder Trockenbau-Maßnahme abarbeiten.
Praxis-Tipps
Schallschutz ernst nehmen – nicht an der Dämmung sparen
Die 60 Millimeter Mineralwolle im Hohlraum kosten einen geringen Aufpreis, bringen aber 3 bis 5 dB mehr Schalldämmung. Für eine Home-Office- oder Schlafzimmerwand ist das der Unterschied zwischen ungestörter Konzentration und gestörtem Schlaf. Wer an der Dämmung spart, wird das jahrelang hören – im wahrsten Sinne des Wortes.
Vorwand im Bad: Revisionsklappe nicht vergessen
Der Spülkasten hinter der Vorwand braucht irgendwann Wartung – Spülventil erneuern, Absperrhahn austauschen, Füllventil einstellen. Ohne Revisionsklappe müssen Sie Fliesen aufschlagen, Vorwand öffnen, alles neu aufbauen. Mit einer kleinen, dezent gefliesten Klappe (30×30 cm) dauert die Wartung 15 Minuten. Planen Sie diese Öffnung von Anfang an mit ein.
Installationsebene statt Stemmarbeiten
Im Altbau aus den 1950er und 1960er Jahren ist das Stemmen für neue Leitungen laut, staubig und zeitaufwendig – Bimsbeton und Hohlblocksteine bröckeln in alle Richtungen. Eine 5–7 cm tiefe Installationsebene vor der Wand nimmt neue Elektrik komplett auf, ohne dass der alte Putz berührt wird. Besonders wertvoll bei denkmalgeschützter Fassade, bei der die Wand nicht aufgemacht werden darf.
Brandschutz ist ein System, kein Produkt
Eine einzelne GKF-Platte (rosa) macht noch keine F30-Wand. Die geforderte Feuerwiderstandsklasse entsteht erst durch das Gesamtsystem: Profiltyp, Plattendicke, ein- oder zweilagige Beplankung, Dämmung, Anschlussdetails an Decke und angrenzende Wände. Am Heizungsraum und an Garagenwänden deshalb immer nach zugelassenem Systemaufbau arbeiten lassen – idealerweise mit Dokumentation der verwendeten Komponenten.
Q3 als Standard – Q2 wird jeder Besucher sehen
Im selbstgenutzten Eigenheim ist Q3 die goldene Mitte: vollflächig überspachtelt, drei bis vier Arbeitsgänge, glatt genug für Vliestapete oder glatten Anstrich. Q2 (unter Raufaser) spart einen kleinen Prozentsatz der Wandflächen-Kosten – zeigt sich aber bei jedem Sonnenstrahl, der im Streiflicht über die Wand wandert. Wer die Raufaser irgendwann gegen moderne Glattputz-Optik tauschen will, spachtelt dann alles nach.
Häufige Fragen
? Wie viel Schalldämmung schafft eine Trockenbauwand wirklich?
Wie viel Schalldämmung schafft eine Trockenbauwand wirklich?
? Kann ich in einer Trockenbauwand schwere Gegenstände aufhängen?
Kann ich in einer Trockenbauwand schwere Gegenstände aufhängen?
? Welche Platte gehört ins Bad – grüne oder graue?
Welche Platte gehört ins Bad – grüne oder graue?
? Was kostet eine Vorwandinstallation im Bad?
Was kostet eine Vorwandinstallation im Bad?
? Brauche ich für eine Trockenbauwand eine Baugenehmigung?
Brauche ich für eine Trockenbauwand eine Baugenehmigung?
? Wie lange dauert eine Trockenbauwand im Wohnzimmer?
Wie lange dauert eine Trockenbauwand im Wohnzimmer?
? Lohnt sich eine abgehängte Decke im Altbau?
Lohnt sich eine abgehängte Decke im Altbau?
Trockenbau professionell umsetzen lassen
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Normen & Quellen
- DIN 18181: Gipsplatten im Hochbau – Anwendung
- DIN 18168: Gipsplatten-Deckenbekleidungen und Unterdecken
- DIN 4109: Schallschutz im Hochbau – Anforderungen und Nachweise
- DIN 4102: Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
- BauO NRW 2018: Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen (Raumhöhen, Brandschutz)
- Bundesverband der Gipsindustrie: Merkblätter zu Gipskarton-Konstruktionen
- BFS-Merkblatt Nr. 21: Beurteilung von Oberflächen auf verputzten und gespachtelten Flächen im Innenbereich