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Was im Strang steckt – nach Baujahr
Das Baujahr verrät das Material, nicht den Zustand. Die Übersicht zeigt, was wir in Häusern im Ruhrgebiet typischerweise finden.
| Baujahr | Typische Oberfläche | Typisches Problem |
|---|---|---|
| Vor 1960 | Blei · Guss, Steinzeug | Blei sofort austauschen – gesetzliche Pflicht |
| 1960er | verzinkter Stahl · Guss | Korrosion und Kalk von innen, Wasserdruck sinkt |
| 1970er | Kupfer · Guss oder frühes HT-Rohr | hängt von Befund und Wasserqualität ab |
| 1980er | Kupfer oder Edelstahl · HT-Kunststoff | meist intakt, Einzelstellen prüfen |
| 1990er | Verbundrohr der ersten Generation · HT | Pressverbindungen nach 25–30 Jahren prüfen |
| ab 2000 | Verbundrohr aktuell · HT mit Schallschutz | Wartung genügt |
Vor 1960
Oberfläche: Blei · Guss, Steinzeug
Problem: Blei sofort austauschen – gesetzliche Pflicht
1960er
Oberfläche: verzinkter Stahl · Guss
Problem: Korrosion und Kalk von innen, Wasserdruck sinkt
1970er
Oberfläche: Kupfer · Guss oder frühes HT-Rohr
Problem: hängt von Befund und Wasserqualität ab
1980er
Oberfläche: Kupfer oder Edelstahl · HT-Kunststoff
Problem: meist intakt, Einzelstellen prüfen
1990er
Oberfläche: Verbundrohr der ersten Generation · HT
Problem: Pressverbindungen nach 25–30 Jahren prüfen
ab 2000
Oberfläche: Verbundrohr aktuell · HT mit Schallschutz
Problem: Wartung genügt
Strangsanierung: jetzt, bald oder später?
Ausgangspunkt ist immer das Rohrmaterial der Trinkwasserstränge.
Finden sich Bleirohre (grau, weich, mit dem Messer ritzbar)?
Austausch oder Stilllegung sofort klären. Kein Relining. Ohne behördliche Fristverlängerung ist die Frist abgelaufen.
Weiter mit Schritt 2.
Sind die Steigleitungen aus verzinktem Stahl und gibt es Rohrbrüche, braunes Wasser oder Druckverlust?
Strangsanierung in den nächsten 6 bis 12 Monaten planen.
In 5 bis 10 Jahren einplanen, jährlich prüfen.
Steht in einer Wohnung eine Badsanierung an?
Strang und Bad zusammenlegen.
Bad nur kosmetisch auffrischen, bis der Strang dran ist.
Ist der Abfluss aus Guss und verstopft er häufig?
Kamerabefahrung beauftragen, das Ergebnis entscheidet.
Kamerabefahrung trotzdem empfohlen – von außen sieht man nichts.
Gehört das Haus einer WEG?
Beschluss mit konkreten Maßnahmen und Kostenverteilung vorbereiten.
Als Eigentümer entscheiden Sie allein, die Mieterpflichten gelten trotzdem.
Was ein Strang ist – und warum er das ganze Haus betrifft
Steigleitungen bringen Kalt- und Warmwasser vom Hausanschluss im Keller in jede Wohnung. In älteren Häusern ist der Querschnitt oft knapp – wenn morgens alle duschen, fällt der Druck oben ab.
Fallleitungen führen das Abwasser nach unten zur Grundleitung. Sie brauchen eine Entlüftung über Dach. Fehlt sie oder ist sie zu, saugt der Unterdruck die Geruchsverschlüsse leer, und es riecht nach Kanal.
Heizungsstränge verteilen Vor- und Rücklauf. In Häusern der 1960er findet man noch Einrohrsysteme: Der letzte Heizkörper im Strang bleibt spürbar kühler als der erste.
Der entscheidende Punkt: Ein Strang gehört allen Wohnungen, durch die er läuft. Wer ihn erneuert, öffnet Wände in bewohnten Räumen, stellt Wasser ab und braucht einen Plan für jede Etage.
Wann eine Strangsanierung fällig ist
- Material: Blei muss weg, egal wie es aussieht. Verzinkter Stahl rostet von innen zu, Guss wird spröde. Kupfer und moderne Verbundrohre halten deutlich länger.
- Alter: Ab etwa 50 Jahren Betrieb lohnt eine gründliche Prüfung. Alter allein ist kein Austauschgrund – eine gut verlegte Kupferleitung aus den 1970ern kann noch lange halten.
- Schadensbild: Wiederkehrende Rohrbrüche, häufige Verstopfungen, braunes Wasser am Morgen, schwankender Druck. Das sind keine Einzelfälle, sondern Symptome.
Eine Faustregel aus der Praxis: Wer im selben Jahr den dritten Reparaturauftrag für denselben Strang erteilt, sollte die Flickarbeiten gegen eine geplante Erneuerung rechnen. Ein geplatzter Strang im obersten Geschoss trifft meist drei Wohnungen darunter – und die Versicherung fragt, warum vorher nichts passiert ist.
Bleirohre: Die Frist ist abgelaufen
Blei steckt vor allem in Häusern, die vor 1973 gebaut wurden. In Teilen von NRW wurde es bis Anfang der 1970er verlegt. Erkennen lässt es sich leicht: grau, weich, mit dem Messer ritzbar, an den Verbindungen gewölbte Lötstellen.
So gehen Sie vor: 1. Material aller Trinkwasserleitungen bestimmen – Keller, Schacht, sichtbare Abschnitte. 2. Bei Verdacht eine Wasserprobe durch ein zertifiziertes Labor. 3. Austausch mit einem Sanitärfachbetrieb planen. 4. Mieter schriftlich informieren. 5. Austausch und Prüfprotokolle in die Gebäudeakte.
Relining – also das Beschichten von innen – ist für Blei keine Option. Die Verordnung verlangt die Entfernung. Und im Streitfall zählt der Nachweis: Ohne Protokoll hilft auch der beste Austausch wenig.
Ablauf in sieben Phasen
2. Planung und Mieter. Welche Stränge, welches Material, wo verlaufen die neuen Leitungen, welche Wohnungsbereiche gehen auf? Parallel läuft die Ankündigung an die Mieter (siehe unten).
3. Provisorien. Während der Arbeiten steht der Strang still. Für Trinkwasser legen wir einen Bypass, der an einem Tag steht. Dauert die Sperrung des Abflusses länger als zwei Arbeitstage, kommen mobile Toiletten aufs Grundstück. Diesen Posten vergessen viele Kalkulationen.
4. Öffnen und Rückbau. Geschossweise von oben nach unten. Vorher stehen Staubschutztüren und Abdeckungen in den bewohnten Wohnungen. Gussrohre werden abschnittweise herausgetrennt, nicht herausgeschlagen. Blei geht dokumentiert in die Sondermüll-Entsorgung.
5. Neuer Strang. Abwasser von oben nach unten, Trinkwasser und Heizung von unten nach oben. Die Rohrschellen müssen körperschallentkoppelt sein, sonst hört das ganze Haus jede Spülung. Danach Druckprüfung für Trinkwasser und Dichtheitsprüfung für den Abfluss – erst dann wird verschlossen.
6. Verschließen. Schacht verkleiden, Revisionsöffnung einplanen, Oberfläche wiederherstellen. Hier liegt der größte Hebel: Wenn die Wand ohnehin offen ist, werden die Anschlüsse in der Wohnung gleich mit erneuert.
7. Inbetriebnahme und Dokumentation. Spülen, Probenahme nach mindestens vier Stunden Standzeit, Materialnachweis, Prüfprotokolle, Fotos vor dem Verschließen. Diese Mappe brauchen Sie bei jeder Versicherungsfrage.
Welches Material in den neuen Strang gehört
- Abwasser: HT-Kunststoff ist Standard. Im Mehrfamilienhaus lohnt ein Schallschutzrohr mit Ummantelung – der Aufpreis ist klein, der Unterschied im Schlafzimmer der Nachbarn groß. Die Entlüftung über Dach braucht ein UV-beständiges Rohr.
- Trinkwasser: Mehrschicht-Verbundrohr mit DVGW-Zulassung oder Kupfer. Kupfer passt gut, wenn in den Wohnungen bereits Kupfer liegt.
- Heizung: Stahl oder Kupfer mit Pressfitting, Heizungswasser nach VDI 2035.
Eine Regel ohne Ausnahme: Kupfer und verzinkter Stahl nie im selben Trinkwasserkreislauf. Das edlere Kupfer löst das Zink, der Stahl rostet von innen. Solche Mischinstallationen entstehen oft bei halben Sanierungen in den 1990ern – und gehören zu den unterschätzten Schadensursachen.
Relining: Wann es passt – und wann nicht
| Situation | Relining? |
|---|---|
| Bleileitung | Nein – Austauschpflicht |
| Guss-Abfluss mit einzelnen Schäden | Ja, als Punktsanierung |
| Guss-Abfluss, flächig korrodiert | Nur nach Kamerabefahrung |
| Trinkwasser, leichte Korrosion | Nur mit DVGW-zugelassenem Verfahren (W 545), als Übergang |
| Bad wird ohnehin saniert | Nein – die Wand ist offen, neue Rohre sind die bessere Wahl |
| Denkmal | Oft ja – Substanz schonen |
Strang und Bad zusammen: die Wand geht nur einmal auf
Unsere Planungsregel für Vermieter: Sind die Stränge in fünf bis zehn Jahren fällig, verknüpfen Sie jede anstehende Badsanierung mit der Strangfrage. Die Strangarbeiten gehören zur ersten Badsanierung im Haus; alle weiteren Bäder profitieren davon. Steht der Strang bald an, reicht im Bad bis dahin eine kosmetische Auffrischung – neue Armaturen, neue Fugen, frischer Anstrich. Was eine Badsanierung kostet, zeigt unsere Preisübersicht.
Mieter, Ankündigung und Minderung
- Ankündigung mindestens drei Monate vorher in Textform (§ 555c BGB): Art und Umfang, Beginn und Dauer, erwartete Mieterhöhung. Zugang nachweisbar zustellen.
- Duldung (§ 555d BGB): Der Mieter muss die Arbeiten grundsätzlich dulden – wenn die Ankündigung formal stimmt. Ein Formfehler kann das Projekt um Monate verschieben.
- Härtefälle: Einer hochbetagten Mieterin wochenlang ein mobiles WC im Hof zuzumuten, kann als unzumutbare Härte gelten.
- Mietminderung (§ 536 BGB): Ohne Bad oder Warmwasser dürfen Mieter mindern – die Höhe hängt vom Einzelfall ab. Planen Sie den Ausfall als Kostenposition ein.
- Umlage: Bei der Modernisierungsumlage ist der Instandhaltungsanteil abzuziehen (§ 559 Abs. 2 BGB).
Ein dreiseitiges Infoschreiben mit Zeitplan, Ansprechpartner und Hinweisen zu den Rechten der Mieter erspart mehr Ärger als jede Vertragsklausel. Die Darstellung ersetzt keine Rechtsberatung.
Strangsanierung in der WEG
Die Anschlüsse in der Wohnung sind dagegen meist Sondereigentum. Wer seine Wohnung ohnehin sanieren will, sollte den Termin mit der Gemeinschaft abstimmen – dann geht auch hier die Wand nur einmal auf. Mehr zur Sanierung von Eigentumswohnungen: Eigentumswohnung sanieren.
Mehr zur Sanierung für Hausverwaltungen und zur Komplettsanierung im Mehrfamilienhaus.
Schallschutz: das Qualitätsmerkmal, das Mieter hören
Checkliste: Strangsanierung vorbereiten und durchführen
Zwölf Punkte von der Bestandsaufnahme bis zur Gebäudeakte.
Praxis-Tipps
Die Revisionsöffnung nicht vergessen
Beim Verschließen des Schachts eine Revisionsöffnung einplanen. Beim nächsten Leitungscheck spart sie das erneute Aufstemmen.
Mieter zuerst informieren, dann stemmen
Ein Infoschreiben mit Zeitplan und einer Telefonnummer der Bauleitung, dazu ein persönlicher Termin für Fragen. Mieter, die den Grund kennen, machen deutlich besser mit.
Mischinstallation suchen
Liegt im Keller Kupfer und in der Wohnung verzinkter Stahl, ist Lochfraß nur eine Frage der Zeit. Beim Strang gleich mit auflösen.
Häufige Fragen
? Wie lange dauert eine Strangsanierung?
Wie lange dauert eine Strangsanierung?
? Darf ich Bleileitungen beschichten lassen?
Darf ich Bleileitungen beschichten lassen?
? Müssen die Mieter während der Arbeiten ausziehen?
Müssen die Mieter während der Arbeiten ausziehen?
? Wer zahlt in der WEG?
Wer zahlt in der WEG?
? Kann ich die Kosten auf die Miete umlegen?
Kann ich die Kosten auf die Miete umlegen?
? Was kostet eine Strangsanierung?
Was kostet eine Strangsanierung?
? Lohnt sich eine Kamerabefahrung auch ohne Probleme?
Lohnt sich eine Kamerabefahrung auch ohne Probleme?
Stränge prüfen lassen, bevor sie sich melden
Sie besitzen ein Mehrfamilienhaus oder sitzen im Verwaltungsbeirat und wollen wissen, wie es um die Stränge steht? Wir klären Ihre Fragen und sagen Ihnen, welche Prüfung als Nächstes sinnvoll ist.
Normen & Quellen
- TrinkwV § 17 – Bleileitungen, Frist 12.01.2026 und behördliche Verlängerungen – https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2023/__17.html; Anlage 2 Teil II – Blei-Grenzwert ab 12.01.2028 – https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2023/anlage_2.html (geprüft am 18.10.2026)
- DIN 1988 (Trinkwasserinstallation, Druckprüfung)
- DVGW W 542, W 545
- DIN 4109, VDI 4100 (Schallschutz)
- VDI 2035 (Heizungswasser)
- §§ 536, 555b, 555c, 555d, 559 BGB
- WEG § 19 Abs. 2 Nr. 2 – Erhaltung – https://www.gesetze-im-internet.de/woeigg/__19.html; § 25 Abs. 1 – Beschlussmehrheit – https://www.gesetze-im-internet.de/woeigg/__25.html (geprüft am 18.10.2026)
- Sanieren mit System, Band 1, Kapitel 17 (Holger Neumann)